1971
Der Deutschlandtag in Bremen beschließt, die Altersunter- und Obergrenze für die JU-Mitgliedschaft auf 14 bzw. 35 Jahre herabzusetzen. Zuvor konnte man sich zwischen dem 16. und 40. Lebensjahr im Verband betätigen.
In der Hansestadt fällt zudem die Entscheidung, ein Grundsatzprogramm auszuarbeiten: "Der Bundesvorstand wird aufgefordert, in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden den Entwurf eines Grundsatzprogrammes zu erarbeiten, der programmatische Aussagen zu den für die JU und die junge Generation wesentlichen Bereichen enthält. Dazu gehören insbesondere Ausbildung, Jugendpolitik, Parlamentarismus und Gesellschaftspolitik."
1972
Im Juni gründet sich bundesweit die Schüler Union (SU). Ziel dieser Vereinigung ist es auch, engagierte Schüler für eine spätere Mitarbeit in der JU zu interessieren.
Auf dem Deutschlandtag in Fulda vom 29. bis zum 1. Oktober wird das Grundsatzprogramm unter dem Titel "Für eine humane Gesellschaft" von der großen Mehrheit der Delegierten verabschiedet. Es ist durchzogen von Themen wie demokratischer Staat und offene Gesellschaft, Bildung als zukunftsorientierte Gesellschaftspolitik sowie Friedenspolitik. Auch ein weitreichendes Konzept zum Umweltschutz wird vorgelegt. Weit vor den Unionsparteien hatte die Junge Union damit ein Leitbild christlich-demokratischer und christlich-sozialer Politik formuliert.
1973
In seinem letzten Rechenschaftsbericht als JU-Chef gibt Jürgen Echternach auf dem Deutschlandtag in Hamburg bekannt, dass die Mitgliederzahl des Verbandes auf 170.000 gestiegen sei. Viele junge Menschen waren im Zuge der Studentenunruhen und der linksextremen Demonstrationen der Jungen Union beigetreten, weil sie nicht akzeptieren wollten, dass marxistisch-leninistische Gruppen den Ton angeben.
Matthias Wissmann wird neuer Bundesvorsitzender.
Während den Weltjugendfestspielen in Ost-Berlin verteilen JUler unter den Augen von Stasi-Agenten und FDJlern Menschenrechtserklärungen und westliche Zeitungen auf dem Alexanderplatz.

1974
Der Deutschlandtag im rheinland-pfälzischen Lahnstein beschließt ein Strategiepapier, dass sich weit von der CDU-Programmatik entfernt. Konflikte mit den Mutterparteien werden bewusst einkalkuliert: "Mitglieder der Jungen Union müssen für ihre politischen Überzeugungen kämpfen. Hierbei dürfen Konflikte, wenn sie sachlich begründet sind und fair ausgetragen werden, nicht gescheut werden. Niederlagen in der Partei können die Junge Union nicht daran hindern, auch kontroverse Fragen zu Diskussion zu stellen. Amts- und Mandatsträger der Jungen Union werden häufig dadurch in Konflikt geraten, dass die Ziele der Jungen Union in der Partei auf Widerstand stoßen."
1975
Der Deutschlandtag in Mönchengladbach bildet Höhepunkt und zugleich Abschluss der seit 1969 stärker gewordenen Distanzierung der Jungen Union zu CDU und CSU.
1976
Mit Dr. Helmut Kohl wird erstmals ein früherer JUler zum Bundesvorsitzenden der CDU gewählt.
In Wildbad Kreuth fällt die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag den Beschluss, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU nicht mehr fortzusetzen. Auf dem dem Deutschlandtag in Offenburg kommt es zu turbulenten Diskussionen, auch die Junge Union steht vor einer Zerreißprobe. Am Ende vollzieht der CSU-Vorsitzende Dr. Franz Josef Strauß eine Kehrtwende und revidiert den Kreuther Trennungsbeschluss.
1977
Der Deutschlandtag in der bayerischen Landeshauptstadt München findet angesichts des RAF-Terrors unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Kurz zuvor war Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer von den Linksterroristen brutal ermordert worden.
In München feiert die Junge Union in Anwesenheit des CSU-Vorsitzenden Dr. Franz Josef Strauß und CDU-Generalsekretär Dr. Kurt Biedenkopf ihr 30-jähriges Bestehen.
1978
Sechs Jahre nach der Jungen Union Deutschlands verabschiedet die CDU auf ihrem Bundesparteitag in Ludwigshafen erstmals ein Grundsatzprogramm. JU-Chef Matthias Wissmann schreibt dazu rückblickend: "Die intensive Diskussion, die auf dem Ludwigshafener Parteitag der Verabschiedung des Grundsatzprogramms vorausging, wurde von der Jungen Union wiederum zur Einbringung eigener Vorstellungen genutzt. So trägt insbesondere das Kapitel "Umwelt" die deutliche Handschrift der Jungen Union".
1979
Die Delegierten des außerordentlichen Deutschlandtages in Frankfurt am Main verabschieden ein jugendpolitisches Programm, das als Strategie gegen die Jugendarbeitslosigkeit die Erhöhung des Wirtschaftswachstums, die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, die Verbesserung des Investitionsklimas, die Schaffung leistungsfreundlicher Strukturen im Wirtschafts- und Steuerrecht sowie das Werben für unternehmerische Tätigkeit vorsah.
1980
Mit über 258.000 Mitgliedern erreicht die JU einen vorläufigen Mitgliederrekord. Seit Beginn der 70er Jahre konnte der Bundesverband seine Mitgliedszahl nahezu verdoppeln.
Die Junge Union unterstützt die Kanzlerkandidatur von Dr. Franz Josef Strauß. Nach einem hart geführten Wahlkampf, den die Unionsparteien unter das Motto "Freiheit statt Sozialismus" gestellt haben, verfehlen CDU und CSU nur knapp ihr Ziel, Bundeskanzler Helmut Schmidt in der Regierungsverantwortung abzulösen.