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VON MARCEL GRATHWOHL

Der diesjährige JU-Deutschlandtag wird in Inzell stattfinden. Die meisten Delegierten, Gäste und Medienvertreter werden vermutlich erst einmal auf einer Deutschlandkarte nachgeschaut haben, wo dieser Ort liegt. Ganz bewusst haben wir uns im vergangenen Jahr bei der Vergabe für den Deutschlandtag 2014 für einen Ort im ländlichen Gebiet entschieden. Als JU-Bundesvorstand war uns wichtig, dass die Tagung des höchsten Beschlussgremiums nicht nur in städtischen Räumen, sondern auch in ländlichen Strukturen stattfindet. Also überall dort, wo wir auch als maßgebliche politische Jugendorganisation aktiv vertreten ist.

Als Volkspartei ist es für uns wichtig, dass wir unter anderem einen guten Ausgleich zwischen Stadt und Land erreichen. Doch was genau macht eigentlich den Unterschied aus? Die Bedeutung von (Groß-)Städten liegt in der Konzentration von Handel, Finanzen, Dienstleistungen und Arbeitsplätzen, die in der Regel Wachstumsimpulse setzen. Städte sind darüber hinaus oft Vorreiter für sozialen Wandel und Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen und Lebensentwürfe. Dabei liegt der Unterschied zum ländlichen Raum vor allem in der stärkeren Tendenz zur Individualisierung: In Großstädten mit über 500.000 Einwohnern lebten im Jahr 2011 knapp 29 Prozent der Bevölkerung in Single-Haushalten; in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern waren es lediglich 14 Prozent. Die traditionelle Sozialisation nimmt hier ab: So ist das Angebot von Vereinen, Kirchen, aber auch Parteien in Städten lediglich ein Angebot unter vielen.

Ländliche Regionen werden klassischerweise durch die Land- und Forstwirtschaft geprägt. Oftmals übernehmen sie eine wesentliche Produktions-, Ausgleichs- und Ergänzungs-position, ohne die benachbarte Metropolregionen nicht überlebensfähig wären. Darüber hinaus üben sie eine wichtige Wirtschafts- und Erholungsfunktion aus. Mit ihren vergleichsweise intakten sozialen Strukturen, der höheren Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement, ihren großzügigen Wohnverhältnissen und ihrem hohen naturnahen Freizeit- und Erholungswert unterscheiden sie sich deutlich von (Groß-)Städten.

Die Verflechtungen und das Zusammenspiel von Stadt und Land werden heute vielerorts auch politisch enger. Ein gutes Beispiel im politischen Bereich ist hierfür die Städteregion Aachen. Hinzu kommt: Vielfach wird die Abgrenzung zwischen Land und Stadt, insbesondere in sogenannten Metropolregionen wie dem Rhein-Main Gebiet oder der Region Köln/Bonn, schwieriger. Dabei gilt es jedoch auch zu beachten, dass die Vielfalt ländlicher Räume sehr breit gefächert ist. Sie reicht von schwach bis sehr gut entwickelten und von sehr dünn bis, vor allem am Rande großer Städte, sehr dicht besiedelten Gebieten. Es gibt ländliche Räume mit hohem Wirtschaftswachstum in innovativen Branchen (z. B. Automobilzulieferung), welche durch eine starke eigenständige wirtschaftliche Entwicklung sowie durch einen signifikanten Bevölkerungszuzug gekennzeichnet sind. Andererseits herrschen in anderen Regionen, verstärkt durch den demografischen Wandel, Schrumpfungstendenzen vor. Insbesondere in periphären Gebieten unseres Landes werden diese Herausforderungen immer deutlicher. Besonders bei jungen Leuten besteht die Präferenz, ihr Leben in städtische Gebiete zu verlagern. Das hat zur Folge, dass in den Ballungsräumen die Mieten häufig kaum noch zahlbar sind und viele Dörfer mit massiven Leerständen zu kämpfen haben. Hier ist es für die Politik wichtig, die Attraktivität und die Vorteile des Lebens in einer ländlichen Region zu verdeutlichen.

Es muss uns bei unserer Politik darum gehen, die unterschiedlichen Potentiale der jeweiligen Lebensräume zu fördern und weiter zu entwickeln. Wie wir gute Politik für den ländlichen Raum und die (Groß-)Städte machen wollen, sollten wir ausführlich erörtern. In diesem Sinne freue ich mich auf die diesjährige Diskussion im oberbayerischen Inzell zur Zukunft des ländlichen Raums.

Autor: Marcel Grathwohl ist Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Union und Vorsitzender der Landwirtschaftskommission.

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