Gastbeitrag des Bundesgesundheitsministers und ehemaligen JU-Bundesvorsitzenden, Hermann Gröhe MdB, zu 70 Jahren Junge Union.

70 Jahre Junge Union Deutschlands - das ist wahrlich ein Grund zum Feiern, sich mit Stolz wichtiger Beiträge der JU zur Entwicklung der Politik in unserem Land zu erinnern und dies als Ansporn zu begreifen, auch weiterhin für die Anliegen junger Leute und für die Zukunftsfähigkeit der christlich-demokratischen Idee zu streiten.

Dankbar blicke ich zurück auf prägende Jahre in der Jungen Union! Als die JU, auch in meiner Heimatstadt Neuss, auf die linke Vorherrschaft in den Schülervertretungen mit der Gründung der Schüler Union antwortete, war ich schon bald dabei. Die Auseinandersetzung mit einem Bündnis aus Jusos und Sozialistischer Deutscher Arbeiterjugend verlangte nicht nur taktisches Geschick, sondern vor allem starke Argumente. Gleiches galt für so manchen Zoff mit ziemlich konservativen Lehrern. Und auch im kommunalpolitischen Ringen mit den Altvorderen der eigenen Partei, etwa beim Einsatz für Jugendeinrichtungen und Jugendkulturprogramme, habe ich viel gelernt.

Hinzu kamen mein jahrelanges Engagement in der evangelischen Jugend und die Erfahrungen zahlreicher Reisen in die damalige DDR, die meine Eltern 1958 verlassen hatten, um in Freiheit eine Familie gründen zu können. Wer wie ich als Kind den Todesstreifen sah und die massiven DDR-Grenzkontrollen erlebte, dabei mitzitterte, dass die bewaffneten Grenzer die versteckte Medizin für die Oma nicht entdeckten, an dem prallten linksradikale Lockrufe in Schule und Uni später ab.

Dass die Junge Union sich stets für Menschenrechte in der DDR, wie insgesamt im Ostblock, aber auch in den Militärdiktaturen Lateinamerikas einsetzte, war mir immer besonders wichtig. Und geradezu fassungslos erlebte ich als RCDS'ler im Studentenparlament in Köln Anfang der 80er Jahre, dass linksradikale Studentengruppen Menschenrechtsverletzungen im Namen der sozialistischen Revolution mit wirren Argumenten verteidigten.

Die Junge Union aber hielt stets Kurs. Oft zogen wir am Jahrestag des Mauerbaus in Berlin über den Kurfürstendamm und riefen: „Die Mauer muss weg!“ Dabei fand unsere eher kleine JU-Gruppe allerdings wenig Beachtung und wurde mitunter sogar als „ewiggestrig“ beschimpft. Und am 3. November 1989 zogen die Delegierten des Deutschlandtages der Jungen Union mit Bundeskanzler Helmut Kohl schließlich durch Erlangen. Wir trugen dabei Kerzen als Zeichen unserer Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung in der DDR – ein Zeichen, das die Fernsehbilder der Abendnachrichten über die innerdeutsche Grenze trugen.

Als die friedliche Revolution in der DDR am 9. November 1989 zum Fall der Mauer führte, war ich erst wenige Tage zuvor in Erlangen zum Bundesvorsitzenden der JU gewählt worden. Nun galt es, die sich bildende christlich-demokratische Jugend zu unterstützen, um schon bald wieder die eine Junge Union für unser ganzes Land sein zu können. Dabei brachten die Mitglieder aus den neuen Landesverbänden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie aus den östlichen Kreisverbänden Berlins wichtige Erfahrungen mit. Viele hatten sich unter Inkaufnahme erheblicher Nachteile in der DDR zu ihrem christlichen Glauben bekannt. Das Argument, etwas sei „schon immer so gewesen“, galt ihnen wenig. Uns allen hat das gut getan!

Denn die JU muss heute wie damals dazu beitragen, dass wir als Union unserem bleibenden Kompass treu, aber auf der Höhe der Zeit bleiben! Unsere Grundüberzeugungen und Wertvorstellungen sind zu wichtig. Sie dürfen nicht im Bücherregal verstauben. Sie müssen sich bewähren - im prallen Leben. Dort, wo auch die Junge Union hingehört!

Hermann Gröhe MdB war Bundesvorsitzender der Jungen Union von 1989 bis 1994 und ist Bundesminister für Gesundheit.

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