Wähle deinen Beitrag:     Euro  

Das Plädoyer eines Praktikers: Zurück zu den Wurzeln und zur alten Qualität


Deutschland ist nicht nur als Produzent von Produkten und Dienstleistungen Exportweltmeister, sondern hat immer auch Prozesse und Systeme konsequent weiterentwickelt und damit auch für das Ausland attraktiver gestaltet. Eines dieser besonders erfolgreichen Modelle stammt aus dem Herzstück der deutschen Wirtschaft: die duale Ausbildung. Die Kombination von praktischer Ausbildung in den Betrieben und der Begleitung durch theoretische Wissensvermittlung in den Berufsschulen führt zu einem Ausbildungsabschluss, welcher wirklich befähigt nach der Ausbildung als vollwertige Arbeitskraft in den Betrieben eingesetzt zu werden und im weiteren Verlauf auch selbstständig als Gründer aufzutreten. Viele Länder, darunter auch die USA und europäische Nachbarländer diskutieren aktuell die Einführung ähnlicher Modelle, weil sich dieses System nachhaltig bewährt hat.

Leider wurde eines der weltbesten Ausbildungssysteme in den letzten Jahren gerade in Deutschland stark beschnitten. Im Zuge der sukzessiven europäischen Vereinheitlichung der Bildungssysteme haben sich nicht immer die Erfolgsmodelle durchsetzen können. Vielmehr wurden viele, gute Schutzmechanismen deaktiviert. Kombiniert mit Billigangeboten aus dem Internet entwickelt sich hier eine gefährliche Tendenz, der politisch unbedingt entgegengewirkt werden muss.

Das duale Ausbildungssystem zeichnet sich durch ein perfektes Zusammenspiel der praktischen und theoretischen Teile in der Ausbildung aus. Durch die Verzahnung der betrieblichen Praxis und der Wissensvermittlung in den Berufsschulen können die Auszubildenden ein breit diversifiziertes Fachwissen erwerben und trotzdem stetig den Bezug zu den realen Prozessen herstellen. Anders als bei vielen universitären Studiengängen können Auszubildende nach ihrer Ausbildung ihren Beruf oft sehr eigenständig ausüben. Sie werden als vollwertiger Mitarbeiter in ihren Betrieb eingesetzt und übernehmen eigenverantwortliche Aufgabengebiete ohne langfristige Einarbeitungsprozesse. Für die hohe Qualität dieser Ausbildungsform spricht, dass statistisch Gründer im Handwerk ihre Betriebe und Unternehmen deutlich nachhaltiger führen und seltener von Insolvenz bedroht sind als Gründer in anderen Berufsfeldern, welche rein universitäre Ausbildungsverläufe vorzuweisen haben.

Durch den Wegfall des großen Befähigungsnachweises in nicht gefährlichen Berufen zur Voraussetzung der Selbstständigkeit wurde dieser positive Effekt politisch ausgesetzt.

Im Handwerk gilt, dass ausschließlich Fachkräfte mit dem großen Befähigungsnachweises ausbilden dürfen. Da dieser häufig nicht mehr vorgeschrieben ist, können viele Betriebe nicht regulär ausbilden. Dies reduziert die Anzahl der Ausbildungsplätze, sowie des Fachpersonals und senkt spürbar die Qualität von Handwerksleistungen. Diesen Trend bemängelt die Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung seit Jahren, bislang ohne spürbare Änderungen durchsetzen zu können.

Die auf Deregulierung des Arbeitsmarktes und Anpassung an die europäischen Prozesses ausgerichtete Politik hat in den vergangenen Jahren viele Erfolge für die Krisenresistenz der deutschen Volkswirtschaft geleistet, aber in diesem Zusammenhang an einigen Stellen auch kritische Veränderungen herbeigeführt. So muss die Anpassung der Ausbildungsvorschriften aus deutscher Perspektive als Absenkung des Niveaus verstanden werden und sollte konsequent zurückgeführt werden. So tauschen sich Delegationen aus Spanien, Griechenland, Russland und den Vereinigten Staaten über das duale Ausbildungssystem aus. Das bewährte deutsche Ausbildungssystem entpuppt sich nicht als Auslaufmodel sondern als System mit Potenzial zum Exportschlager. Zurück zu den Wurzeln und zur alten Qualität könnte eine politische Antwort für die Zukunft sein.

Peter Blumenrath (31) ist gelernter Versorgungsingenieur und Geschäftsführer eines Handwerksbetriebs mit 15 Mitarbeitern (davon 4 Auszubildende). Politisch engagiert er sich als Bezirksvorsitzender der JU Bergisches Land und ist Ratsherr der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Dein Kontakt zu Paul:
paul@junge-union.de
030 / 278 787 15

Dein Kontakt zur Bundesgeschäftsstelle:
ju@junge-union.de
030 / 278 787 0