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Plädoyer für einen neuen Gründergeist in Deutschland – und für mehr Zuversicht
von Thomas Jarzombek MdB

42 Jahre - so alt ist Deutschlands jüngster DAX-Konzern SAP. Der einzige, dessen Gründer noch leben. Und danach? Microsoft, eBay, Amazon, Google, Facebook, ... Brutstätte der Economy 2.0 ist zweifellos ein kleiner Landstrich in Kalifornien. Warum da und warum nicht bei uns?

Eine gute Frage. Als ein junger Bayer in München Elektrotechnik studiert, es aber keine Computer gibt, gibt er nicht einfach klein bei, sondern geht in die USA. "Die Technophobie seiner Heimat frustriert ihn" wird viele Jahre später der "Stern" über Andy von Bechtolsheim schreiben. Sun Microsystems. Java. Der Investor des Startkapitals von Google. Heute ist der Deutsche Milliardär und einer der führenden Investoren im Silicon Valley. Als ich ihn vor eineinhalb Jahren traf und fragte, was wir Deutschlnd besser machen könnten als Gründerstandort, schaute er mich nur wortlos an.

Es ist keine Frage des Geldes.

So wird im Deutschen Bundestag viel gearbeitet an technischen Faktoren, die Gründungen erleichtern sollen. Von der Streubesitzdividende, über die Umsatzsteuer bei Management-Fees bis hin zu weniger Bürokratie bei der Eintragung einer AG. Das alles ist wichtig, gerade für internationale Investoren sind dies echte Hemmnisse. Doch: Ein Schuljunge, der davon träumt, Mark Zuckerberg oder Steve Jobs zu werden, wird sich doch durch Bürokratie oder ein paar Steuerpunkte davon nicht abhalten lassen.

Natürlich ist Gründen ohne Kapital schlecht möglich. Und wer als junger Mensch mit einer guten Idee und vielen Zeilen Software zu seiner Kreissparkasse geht, der wird sicher kein Erweckungserlebnis haben. Doch die Zeiten, in denen es kein Startkapital - seed capital - für Internet-Projekte gab, sind zum Glück vorbei. Schwieriger sind die Phasen des Wachstums: Wer kann bei uns einen Scheck über 10 Millionen ausstellen, um einem vielversprechenden Startup das Rüstzeug für einen globalen Aufschlag zu geben?

Mit Banken wird sich dieses Problem nicht lösen lassen, es braucht viel mehr ein Ökosystem. Leute wie Andy von Bechtolsheim, die es selbst geschafft haben, wissen wie es geht und investieren gezielt in die nächste Generation. Und zwar nicht nur Geld, sondern auch Know-How und Erfahrung.

Also kommt es am Ende doch auf das Geld an? Nein. Es ist eine Frage der Kultur. Wenn wir auch im Jahr 2014 noch diskutieren, ob und wie wir jedem Schüler ein Tablet geben können, dann sind wir Teil des Problems und nicht der Lösung. Wenn wir uns von neuer Technologie nicht begeistern lassen, sondern fragen, wozu man das denn wohl brauche, dann sind wir Teil des Problems. Is it a bug or a feature? Ein anderer Top-Investor aus dem Silicon Valley, Ben Horowitz, hat unlängst gesagt: „Deutschland ist so risikoscheu, es ist lächerlich“.

Wir brauchen mehr Gründergeist in Deutschland. Genau das, was Siemens & Co. vor 100 Jahren groß gemacht hat. Doch per Gesetz werden wir das kaum verordnen können. Wir müssen Gründergeist vorleben. Fangen wir in den Schulen an: Wer dort seine erste App programmiert hat, wird später Entwickler werden können. Und wer in der Schule spielerisch im Planspiel eine Firma gründet, wird das später in der Realität wiederholen können. Und mehr Zuversicht haben. Zuversicht ins eigene Gelingen.

Autor:Thomas Jarzombek MdB leitet die AG der CDU/CSU im neuen Ausschuss für “Digitale Agenda” und fungiert damit als internetpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Er ist seit 2013 Mitglied im Ausschuss “Verkehr und digitale Infrastruktur” sowie stellvertretendes Mitglied im Auschuss für “Wirtschaft und Energie”.

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