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Volksparteien müssen Lebensgefühl und Lebenswirklichkeit zusammenbringen.

VON FLORIAN BRAUN

„In der Stadt ticken die Leute anders. In der Stadt kommt die CDU nicht an. Dafür ist sie zu konservativ.“ Das zumindest sind typische Vorurteile, die man immer wieder hört. Sind sie falsch? Zumindest sind die zehn größten deutschen Städte nicht mehr CDU-geführt; in den 30 größten stellen wir gerade einmal sechs Oberbürgermeister. Eine Analyse ist also angebracht.

Im Städtischen ist „Lifestyle“ fast schon zu einem Gut geworden, das auch Grundlage für Wahlentscheidungen ist. Da erscheint „konservativ“ beinahe als diametraler Kampfbegriff, wird er doch oft mit „rückwärtsgewandt“ oder „spießig“ gleichgesetzt (außerhalb von LBS-Werbung ist das eher uncool). Aber ist die CDU wirklich zu konservativ, zu spießig? Oder ist es nicht eher ein Problem der Wortwahl, der Vermarktung? Vielleicht stellt sich diese Frage ebenso auf dem Land, sie stellt sich zumindest in der Stadt. Ich denke, das Lebensgefühl der Menschen in Deutschlands Großstädten hat sich geändert – die Lebenswirklichkeit aber ist gleich geblieben. Man möchte sich frei fühlen und selbst verwirklichen, individuell leben und unabhängig auftreten. Gleichzeitig soll der Staat sich verlässlich um grundlegendste Bedürfnisse kümmern. Bewährtes zu behalten und neues abzuwägen ist immer noch ein beliebtes Konzept. Vielleicht muss man „konservativ“ neu denken und kommunizieren, um sich nicht ständig in Schubladen wiederzufinden. Jedenfalls müssen wir dieses Lebensgefühl antizipieren und sodann auf Stadt-relevante Kernfragen konzentrieren, um dort erfolgreich zu sein.

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Ich unterstelle, dass das vor allem an den zahllosen Möglichkeiten liegt, die sich geballt an einem Ort bieten: Jobs, Kindergärten, Schulen, Sportvereine, lange Öffnungszeiten, und vieles mehr. Die räumliche Verdichtung sorgt für spezifische Herausforderungen, die Einwohner wie Hinzuziehende beschäftigen: Wo kann noch weiterer Wohnraum entstehen? Wie können Rentner, Studenten und junge Familien diesen finanzieren? Wie soll eine alleinerziehende Mutter ihren Beruf ausüben, wenn ihr ein Kita-Platz am anderen Ende der Stadt zugewiesen wird? Wie viele Flüchtlinge können in einem Stadtteil untergebracht werden? Und, und, und: Wählbar ist, wer Antworten auf solche elementaren Fragen hat.

Da sich die elementaren Fragen unterscheiden, entsteht grundsätzlich keine Konkurrenz zwischen „Stadt“- und „Land-“partei. Man muss beiden Teilen gleichermaßen Freiraum geben, Antworten für die jeweiligen Lebenswirklichkeiten zu finden und zu artikulieren. Jedenfalls werden Blaupausen niemals Probleme vor Ort identifizieren und lösen. Wenn wir auf Deutschland- oder Bundesparteitagen Anträge schreiben und Beschlüsse fassen, muss uns das stets bewusst sein. Stadt und Land dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Um flächendeckend als Volkspartei erfolgreich zu sein, müssen wir der Vielfalt Deutschlands, der Menschen, ihrer Lebenssituationen und Probleme mit individuellen Antworten begegnen – oder zumindest Raum für Individualität öffnen.

Autor: Florian Braun (25) ist stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Köln und Bezirksvorsitzender der JU Mittelrhein

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