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Jedem ist klar: Die Digitalisierung verändert unsere Lebens- und Arbeitswelt tiefgreifend. Eine Chance, um unseren Wohlstand zu sichern. Aber dafür müssen wir die richtigen, politischen Weichenstellungen vornehmen.

„New Work“ ist der Ausdruck einer modernen Arbeitsgesellschaft. Anders als im letzten Jahrhundert bemessen junge Arbeitnehmer und -geber ein attraktives Arbeitsumfeld an der „Work-Life-Balance“, am Grad der Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Kreativität – befeuert von einer technologischen Evolution.

Die digitale Arbeitswelt birgt zwei Entwicklungen: Die Veränderung des eigenen Arbeitens und die Veränderung von Beschäftigungsfeldern. Digitalisierung macht das Arbeiten effizienter, kollektiver, mobiler, autonomer, flexibler und ergebnisorientierter. Digitalisierung schafft neue Geschäftsideen. Digitalisierung befördert Innovation. Digitalisierung ist Ausdruck neuer Chancen. Nicht alle sehen das so, sondern haben Sorge ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gar gänzlich an Maschinen und künstliche Intelligenzen zu verlieren.

Digitalisierung nicht als Bedrohung begreifen

„Digitale Disruption“ ist der moderne Begriff für das Verdrängen bestehender Technologien, Produkte oder Dienstleistungen durch digitale Innovationen. Das ist kein Prozess, der uns noch bevorsteht; wir befinden uns mittendrin. Der technische Fortschritt erobert unsere Lern- und Arbeitswelt. Wird die Digitalisierung also Arbeitsplätze kosten?

Die Auffassung, dass die Digitalisierung menschliche Arbeit überflüssig macht und Millionen Menschen ihre Arbeit verlieren werden, ist weit verbreitet. Am Ende dieser Überlegungen steht dann meist die Ablehnung von Innovation aus Sorge um die Existenz. Dass Unternehmen vom Markt verschwinden, Wirtschaftszweige wegbrechen und altbekannte Berufe verschwinden, sind aber keineswegs neue Entwicklungen. Nur sind Substitutionspotenziale eben nicht gleich Beschäftigungsverluste. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass durch Innovation auch immer wieder neue Branchen und Tätigkeitsfelder entstanden sind. Tatsächlich führt Digitalisierung bewiesenermaßen bislang zu Beschäftigungswachstum.

Nach Einschätzung des IAB fallen bis zum Jahr 2025 1,5 Millionen Arbeitsplätze weg, gleichzeitig soll die gleiche Anzahl an Arbeitsplätzen vor allem im Dienstleistungssektor, in der IT-Branche sowie im Gesundheitswesen entstehen. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln prognostiziert, dass ein Großteil der Firmen trotz oder gerade wegen der Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren mehr Arbeitsplätze schaffen wird. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass damit ein Trend zur Weiter- und Höherqualifizierung einhergeht.

Digitalisierung erfordert neue Bildungs- und Erwerbskultur

Die Bildungslandschaft Deutschlands muss sich darauf einstellen. Unsere Schulbildung sollte flexibler auf neue Herausforderungen, die lebensbestimmend sind, reagieren können. Ich will keine Revolution an deutschen Schulen ausrufen, aber doch eine Evolution. Eine ausgeprägtere Kultur der Neugier und des Experimentierens würde Schülerinnen und Schüler auf die Entwicklung der Unbeständigkeit besser vorbereiten.

Wir sollten uns verabschieden vom Gedanken einer Ein-Unternehmen-Erwerbsbiographie. Stattdessen werden Erwerbsbiographien immer individueller, Jobs halten nicht mehr für ewig, die eigentlichen Ausbildungskenntnisse werden möglicherweise irgendwann überholt sein. Deshalb braucht es auch im Erwerbsleben einen Kulturwechsel hin zur Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Wissen ist die Ressource der Gegenwart und Zukunft. Wieso also nicht Arbeitnehmer in regelmäßigen Abständen fortbilden? Hier sind Arbeitgeber und Staat in der Verantwortung für eine Qualifizierungsoffensive Arbeitswelt 4.0. Langfristig zahlt sich das sicher aus. Dazu gehört auch, dass das viel diskutierte Renteneintrittsalter obsolet werden könnte. Lasst es uns komplett abschaffen – überlassen wir es dem Menschen wann, wo, wie und wieviel er arbeiten möchte.

Gesetze der Realität und den Ansprüchen anpassen

Dafür müssten wir natürlich unsere Gesetze anpassen. Lasst uns über ein Lebensarbeitszeitkonto diskutieren. Oder, weniger radikal: Über Flexibilisierungen im Arbeitszeitgesetz. In unserem Land herrschen strenge und starre Vorgaben hinsichtlich der Tageshöchstarbeitszeit von 8 Stunden und der Mindestruhezeit von 11 Stunden am Stück. Angesichts der Smartphone-Generation realitätsfern. Für viele Erwerbstätige – und ja, sicherlich auch für die Arbeitgeber – ist es ein Gewinn vorm Ins-Bett-gehen und nach dem Aufstehen die Mails zu checken, damit man sich gedanklich auf den Tag vorbereiten kann. Gesetzlich faktisch verboten. Morgens eine Stunde arbeiten, Kind in die Kita bringen, fünf Stunden arbeiten, mit dem Kind gemeinsam den Nachmittag verbringen, abends nochmal vier Stunden arbeiten? Faktisch verboten.

Lasst uns diskutieren über eine Wochenhöchstarbeitszeit und über Block-Ruhezeiten. Und was ist uns eigentlich wichtiger? Die gearbeitete Zeit oder die Arbeitsergebnisse? Sind Aufzeichnungspflichten sinnvoll oder eher Bürde? Was spricht dagegen, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Vertrauensarbeitszeiten einigen? Nicht in jedem Job ist diese Flexibilität möglich. Aber der Gesetzgeber sollte die Freiräume schaffen.

Unternehmen sensibilisieren und unterstützen

Schlussendlich müssen die Unternehmen selbst die Vorteile der Freiräume und der technologischen Entwicklung erkennen und nutzen. Als Staat tragen wir die Verantwortung, die Voraussetzungen durch eine notwendige digitale Infrastruktur zu schaffen (ein Projekt, bei dem wir hinterherhinken). Als Staat sollten wir aber auch sensibilisieren, aufklären und „an die Hand“ nehmen. Die digitale Transformation geschieht im höchsten Maße unterschiedlich, wenn wir über Fertigung, Dienstleistungen, Logistik oder Pflege- und Sicherheitsberufe sprechen. Und sie bietet Raum für Innovation durch neue Unternehmen. Deshalb dürften wir nicht aufhören, für eine mutige Gründerkultur in unserem Land zu werben.

Und noch etwas können, ja müssen wir als Staat leisten: Die Verwaltung muss die Digitalisierung der Unternehmen spiegeln, um Effizienz zu ermöglichen. Durch ein digitales Gewerbeamt, ein digitales Bauamt, die eAkte, durch Open Data und ein bundesweit einheitliches Serviceportal. Klingt zwar nach Arbeit, aber auch lebensqualitätssteigernd. Auf, auf zur Evolution der Arbeitswelt.

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Über den Autor: Florian Braun ist Landesvorsitzender der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Landtages in NRW. Ihr erreicht ihn unter: florian.braun@landtag.nrw.de

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