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Seit dem 17. Dezember 2013 ist Hermann Gröhe Bundesminister für Gesundheit. Eine der ersten Entscheidungen, mit denen der ehemalige CDU-Generalsekretär in seinem neuen Amt befasst wird, ist die Frage der Rezeptfreiheit der sogenannten „Pille danach“. Das Präparat soll eine ungewollte Schwangerschaft nach bereits erfolgtem Geschlechtsverkehr verhindern.

Dem Minister begegnen nun widerstreitende Empfehlungen: Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht empfiehlt die Aufhebung der Rezeptpflicht und schlägt für den Bedarfsfall als Alternative eine Beratung durch das Apothekenpersonal vor. Die Apotheker sind mit dieser Lösung einverstanden und bereit, die Umsetzung zu garantieren. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die organisierte Ärzteschaft warnen hingegen vor der Aufhebung der Rezeptpflicht. Sie verweisen auf die unterschiedliche Wirkung bei unterschiedlicher körperlicher Beschaffenheit und auf die kurzfristige Verfügbarkeit eines ärztlichen Beistands in Deutschland. Vor diesem Hintergrund empfehlen sie ein verpflichtendes Beratungsgespräch in der vertraulichen Atmosphäre einer Praxis, unter der für Ärzte geltenden Schweigepflicht.

Die gilt für die ENTSCHEIDUNG nicht. Das Thema betrifft vor allem junge Menschen. Ganz klar: Ein Fall für unser Pro und Contra. Mögen die besseren Argumente überzeugen!

PRO:

Die „Pille danach“ ist kein Politikum, sie ist nachträgliches Verhütungsmittel – nicht mehr und nicht weniger.

Es gibt keine stichhaltigen medizinischen Argumente dagegen, endlich die Verschreibungspflicht aufzuheben und die „Pille danach“ in Apotheken freizugeben. Ganz im Gegenteil, die Liste der Fürsprecher ist lang: Die WHO, der „Expertenausschuss für Verschreibungspflicht“ und die Bundesapothekenkammer sprechen sich für die rezeptfreie Abgabe aus, wie dies in fast allen europäischen Ländern üblich ist. Hier von „Abtreibung“ zu sprechen ist schlichtweg falsch und fehl am Platz. Die „Pille danach“ verhindert den Eisprung und damit die Befruchtung der Eizelle. Hat sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet, ist die „Pille danach“ wirkungslos und wirkt sich auch nicht negativ auf diese bestehende Schwangerschaft aus. Entscheidend ist aber vor allem der Zeitpunkt der Einnahme: Nach der Einnahme am ersten Tag wird die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft auf 0,4 Prozent reduziert, nach zwei Tagen auf 1,2 Prozent und nach drei Tagen auf immerhin noch 2,7 Prozent. Gerade deshalb ist es unabdingbar, dass die „Pille danach“ schnell und ohne bürokratische Hürden zur Verfügung steht. Die Einnahme der Pille ist nicht nur unkompliziert, sondern hat in aller Regel auch keine Nebenwirkungen. Eine ärztliche Beratung ist deshalb nicht mehr nötig. Vielen jungen Frauen – insbesondere in ländlicheren Regionen – würde das in akuten Notsituationen sehr helfen. Sie müssten nicht länger nach einem Arzt oder Krankenhaus suchen, wo sie das entsprechende Rezept verschrieben bekommen, sondern könnten einfach zum nächstgelegenen Apothekennotdienst gehen, um ungewollte Schwangerschaften durch die schnelle Einnahme des Medikaments zu verhindern.

Wie schwierig es noch heute sein kann, die „Pille danach“ verschrieben zu bekommen, zeigte erst im vergangenen Jahr der Skandal um eine junge Frau in Köln, die nach einer Vergewaltigung gleich von zwei katholischen Krankenhäusern mit der Begründung abgelehnt worden war, dass sie die „Pille danach“ aus ethischen Gründen nicht verschreiben dürften. Das ist für mich ein unhaltbarer Zustand und es ist nicht nachvollziehbar, warum das Selbstbestimmungsrecht von Frauen in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern weiterhin eingeschränkt wird.

Deshalb besteht dringend Handlungsbedarf – nicht irgendwann, sondern jetzt! Lasst uns die ideologischen Scheuklappen endlich ablegen und die Rezeptpflicht abschaffen. Das wäre nicht nur eine längst überfällige politische Entscheidung, sondern vielmehr eine konkrete Verbesserung der Lebenssituation für viele junge Menschen.

Autor Alexander Hahn ist seit November 2013 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen Deutschlands. Bereits seit März 2012 gehört er als kooptiertes Mitglied, seit Dezember 2013 als gewählter Beisitzer dem Bundesvorstand der FDP an.

CONTRA:

Aktuell wird die Frage diskutiert, ob die „Pille danach“ rezeptfrei oder rezeptpflichtig erhältlich sein soll. Zwei Präparate kommen in Betracht: Levonorgestrel (LNG) und Ulipristal (UPA). Für UPA, wirksamer als LNG, scheidet aus medizinischen Gründen eine Rezeptfreiheit aus, so dass sich die Debatte der Rezeptfreiheit oder der Rezeptpflicht auf LNG beschränkt. Das entscheidende Argument, weshalb auch in Zukunft die Beratung zur Verhütung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr durch eine Ärztin/einen Arzt erfolgen sollte, ist: LNG wirkt nur bei Frauen mit einem Körpergewicht von bis zu 75 Kg und innerhalb von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr, wobei schon nach den ersten 24 Stunden der Wirkstoff nur noch etwa die Hälfte der Schwangerschaften verhindern kann. Andere Varianten der Notfallverhütung sind sicherer. Diese kann aber nur der Arzt, nicht der Apotheker anbieten.

Dieser Sachverhalt kann nicht wegdiskutiert werden und deshalb ist die von Kritikern der Rezeptpflicht vorgeschlagene Beratung durch die Apotheken nicht ausreichend – eine ärztliche Beratung ist keine Formalie, sie dient der notwendigen Aufklärung der Patientin und gibt der Frau die Chance, die für sie beste Variante der Notfallverhütung zu wählen. Würde die Rezeptpflicht wegfallen, würde nicht nur die Hemmschwelle zur Einnahme des Präparats sinken, wie der internationale Vergleich zeigt. Die Patientinnen würden sich mit LNG womöglich in falscher Sicherheit wiegen und vom effektiveren, aber rezeptpflichtigen UPA absehen.

Die Rate ungewollter „Teenagerschwangerschaften“ ist in Deutschland mit 3 auf 1000 Mädchen die niedrigste weltweit, bezogen auf Länder mit straffreiem Schwangerschaftsabbruch. Laut Erhebungen des Berufsverbandes der Frauenärzte ist in Ländern, die die „Pille danach“ freigaben, die Rate an Schwangerschaftsabbrüchen kaum oder gar nicht gesunken, teilweise sogar gestiegen. Nur in Deutschland sinkt die Abbruchrate seit Jahren stetig. Auch das Argument, der Wirkstoff sei aufgrund der Rezeptpflicht in der Nacht oder an Wochenenden nur schwer zu erhalten und schränke somit die Selbstbestimmung der Patientinnen ein, ist angesichts der Dichte des Fachärztenetzes und der ärztlichen, konfessionell ungebundenen Bereitschaftsdienste wenig stichhaltig.

Zum Schutz der betroffenen Frauen vor ungewollten Schwangerschaften sollte LNG als „Pille danach“ auch zukünftig nur auf Rezept und nach ärztlicher Beratung erhältlich sein.

Autorin Astrid Wallmann MdL ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union Deutschlands. Sie vertritt im Hessischen Landtag den Wahlkreis Wiesbaden und ist stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion.

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