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Seit drei Jahren ist der frühere Internetsprecher der CDU Deutschlands und Agenturgründer Thomas Heilmann Berliner Senator für Justiz und Verbraucherschutz.


Manch oberflächlicher Betrachter würde vermuten, dass ein erfolgreicher Kreativunternehmer und Start-Up-Förderer einst seine Jugend zwischen Skateboardplatz und Bastelgarage verbrachte. Weit gefehlt, wenn man die Jugendjahre von Thomas Heilmann (50) betrachtet: Schon als Schüler engagierte sich der Sohn eines Philosophieprofessors in der Jungen Union Dortmund, trat mit 16 in die CDU ein und war bei der Bundestagswahl 1983 Leiter des JU-Wahlkampfteams des örtlichen Bundestagsabgeordneten - niemand geringerem als dem damaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. „Dortmund wurde als ‚Herzkammer der Sozialdemokratie‘ bezeichnet“, so Heilmann, „wenn man dort der Jungen Union beitrat, war das eher ein Revoluzzer-Akt und weit weg vom Mainstream.“ Er engagierte sich im JU-Kreisvorstand, als JU-Stadtbezirksvorsitzender und in der Schüler Union. Während dieser Zeit lernte er Mitstreiter wie die späteren Abgeordneten Hubert Hüppe und Reinhard Göhner sowie die heutigen Manager Rainer Ohler (Airbus) und Christian Nienhaus (Springer) kennen - Bundessprecher der Schüler Union war der spätere Bundespräsident Christian Wulff. „Ich wäre jedoch nie auf den Gedanken gekommen, eines Tages Berufspolitiker zu werden“, so Heilmann.

Nach dem Abitur studierte er Jura in München sowie Harvard und arbeitete während Studium und Referendariat als freier Mitarbeiter für die FAZ und die Tagesthemen. Schon lange vor seinem Zweiten Staatsexamen 1993 interessierte ihn das Unternehmertum stärker als klassische Juristentätigkeit. In den Monaten nach dem Mauerfall im November 1989 wollte er mit zwei Freunden eine Firma in der DDR gründen - „in den damals aufgewühlten Umständen, noch vor Einführung der D-Mark im Juli 1990.“ Seine beiden gleichaltrigen Mitstreiter waren der spätere Stuttgarter CDU-Oberbürgermeisterkandidat und heutige Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner sowie Olaf Schumann, einst politischer Häftling in der DDR. „Eigentlich wollten wir eine Zeitung gründen“, so Heilmann, „aber in meiner Zeit bei McKinsey habe ich gelernt, auch Herzensprojekte nüchtern durchzurechnen und so wurde uns schnell klar, dass wir nie den Break-even erreichen würden.“ Die drei starteten eine „Markterkundung“ und riefen aus einer Telefonzelle zehn DDR-Betriebe an, um zu erfahren, welche Zulieferungen diese benötigten. Das Ergebnis: Logos, Broschüren, Visitenkarten. So entstand im Kinderzimmer von Schumanns elterlicher Wohnung in Dresden die Agentur „Delta Design Dresden“, die bereits nach einem halben Jahr zwölf Mitarbeiter hatte. Schon bald wuchs jedoch die in Berlin gegründete Filiale stärker und die Agentur ging in der Agenturgruppe „Scholz & Friends“ auf, deren Leitung Heilmann und Turner einige Jahre später übernahmen. Zudem engagierte sich Heilmann in mehreren Unternehmensgruppen und -beteiligungen, wodurch er Firmen wie XING, Pixelpark, MyToys.de sowie die Ampere AG in den Markt begleitete und zeitweilig Facebook-Gesellschafter war.
Kurz bevor die damals designierte CDU-Generalsekretärin Angela Merkel im November 1998 in ihr neues Amt gewählt wurde, kritisierte Heilmann als Kommunikationsexperte öffentlich die Strategie der CDU. Prompt erhielt er einen Anruf Merkels, die ihn kennenlernen wollte. Ein Gesprächsfaden war aufgenommen, der im Jahr 2000 dazu führte, dass Merkel, inzwischen neue CDU-Bundesvorsitzende, Heilmann als „Internetsprecher der CDU Deutschlands“ an die Spitze einer dafür geschaffenen Kommission holte. „Es ging darum, das Internet als Thema zu besetzen und neue Formen der politischen Kommunikation zu diskutieren.“ Schon einen Monat nach dem Essener Parteitag im April 2000 reisten Merkel, Heilmann und eine Delegation nach Finnland, um Nokia und andere moderne Unternehmen zu besuchen. Mit medialem Nebeneffekt: „Angela Merkel will ihre Partei in die Gegenwart bringen“, lobte ein Mitreisender Spiegel-Journalist.

2009 begann das dritte politische Kapitel im Leben von Thomas Heilmann: Nach dem Rücktritt der damaligen Berliner CDU-Spitze war der Landesverband zerstritten - der designierte neue Vorsitzende Frank Henkel wollte ein erneuertes Führungsteam zusammenstellen. Die heutige Kulturstaatsministerin Monika Grütters schlug Heilmann als eines der neuen Gesichter vor, und so wurde dieser zum neuen Vize-Landeschef gewählt. „Bei meinen Karrieresprüngen hatte ich jedoch nie den Ehrgeiz, jemanden zu verdrängen“, so Heilmann, „als Seiteneinsteiger wird man besser gerufen.“ So war es auch erneut ein Ruf, der ihn in sein heutiges Amt führte: Nach dem Wahlerfolg der Berliner CDU bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 stellte diese erstmals seit 2001 wieder Senatoren, von denen der Justiz- und Verbraucherschutzsenator jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder zurücktrat. Dies brachte Heilmann im Januar 2012 in sein heutiges Amt. Dass er bald danach in einer Kampfabstimmung den Vorsitz seines einflussreichen CDU-Kreisverbandes übernahm, stellte erstmals eine Abkehr vom Warten auf das „Gerufen werden“ dar: „Ich war nie ein ängstlicher Typ.“ Heilmann nennt dieses Engagement „Commitment“. Parteistrukturen seien oft von Auseinandersetzungen geprägt, bei denen ein Sieger nach kurzem wieder abgewählt werde. „Ich setze daher in einem mehrjährigen Prozess auf einen neuen, sachlichen Stil und einen integrativen Ansatz statt persönlichen Auseinandersetzungen.“

Auf die Frage, welche Gedanken ein langjähriger Kreativunternehmer in den oftmals langsam mahlenden Mühlen der Verwaltung habe, antwortet Heilmann: „Es liegt nirgendwo der Staub, der der Verwaltung als Ruf anhängt.“ Bei Verwaltungsvorgängen seien gewagte Experimente oder überschnelle Entscheidungen weder möglich noch sinnvoll. „Ich versuche jedoch, Instrumente der Unternehmensführung zu übertragen“, so Heilmann. „Dabei ist meine Philosophie eher die eines Fußballtrainers als eines Mittelstürmers.“ Er setzt auf direkte Kommunikation statt eines „Versteckens hinter Hierarchieebenen“ und hat eine wöchentliche Besprechung mit allen Mitarbeitern seiner Verwaltung eingeführt. Unter dem neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird die Große Koalition im Land Berlin fortgesetzt. Heilmann: „Sein Politikstil gefällt mir besser als der von Wowereit, der stärker durch das Einsetzen von Macht operierte als durch Steuerung und Entscheidungssysteme.“

Dieser Beitrag ist die letzte Folge von „Wege in die Politik“ aus der Feder von Georg Milde, der die Serie seit 15 Jahren verfasste. Der frühere JU-Bundesgeschäftsführer ist seit Jahresbeginn Herausgeber des Magazins „politik&kommunikation“. Wir sagen leise „Tschüss“ und laut „Danke“.

Biografie
Geboren am 16.07.1964 in Dortmund, ledig, 4 Kinder. 1983 Abitur, 1984/88 Studium der Rechtswissenschaften, 1991/93 Referendariat und 2. Juristisches Staatsexamen. 1990 Gründung der Werbeagentur Delta-Design, die 1991 in die Agentur „Scholz & Friends“ aufging, bis 2001 geschäftsführender Gesellschafter deren Berliner Niederlassung. 2001/08 Vorstandsvorsitzender von „Scholz & Friends“, ab 2003 auch CEO von deren Holding Commarco, 2010/12 Unternehmer. Seit 1997 Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin. 1980 Eintritt in die CDU, 2000/02 Vorsitzender der Internetkommission der CDU Deutschlands, seit 2009 stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Berlin, seit 2013 Kreisvorsitzender der CDU Steglitz-Zehlendorf. Seit 12.01.2012 Senator für Justiz und Verbraucherschutz des Landes Berlin.

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