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JU bei den Gedenkfeierlichkeiten zum Völkermord in Armenien

Zum 100. Jahrestag des Beginns des Völkermordes an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich sind Bundesvorstandskollegin Andrea Müller, Akop Voskanian und ich zu den Gedenkfeierlichkeiten nach Jerewan gereist. Bewegende Höhepunkte waren die Reden beim Global Forum – darunter die von Albert Weiler MdB –, die Heiligsprechung der Opfer, das Gedenkkonzert sowie der Besuch der Gedenkstätte, aber auch der DEMYC-Council, bei dem wir zu Gast waren.

Kurz zuvor hatten wir öffentlich gefordert, dass der Genozid endlich auch von der Bundesregierung als solcher anerkannt wird. Auch wenn dies noch immer aussteht, hat zumindest Bundespräsident Joachim Gauck in seiner vielbeachteten Rede den Völkermord klar benannt. Wie sehr seine Worte vor allem in Armenien geschätzt wurden, zeigt die Rede des Vorsitzenden unserer Schwesterorganisation YRPA, Karen Avagyan, vom 28. April 2015 in der Armenischen Nationalversammlung, in der er Gauck in einem Zuge mit Woodrow Wilson und Ronald Reagan nannte:

"Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck, wird in der Geschichte des armenischen Volkes zusammen mit Ronald Reagan und Woodrow Wilson gleichermaßen in Erinnerung bleiben.

In diesen Tagen sprechen und diskutieren wir über die Anerkennung und Verurteilung des armenischen Völkermordes, sowie über unsere Einigkeit in dieser Sache. Nicht nur in Armenien wird erinnert. Uns schließen sich die Weltmedien, die Oberhäupter führender Nationen, Prominente und zumindest diejenigen an, die den Mut haben, die Wahrheit auszusprechen.

Alle, die an diesem Gedenken teilnahmen, haben einen nachhaltigen Eindruck bei uns hinterlassen. Für mich war allerdings die Rede des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck, im Berliner Dom anlässlich des Gedenkgottesdienstes in Erinnerung an den Völkermord besonders ergreifend. Es gibt viele Wege, um sein Mitgefühl zu zeigen und von Anerkennung zu sprechen. Vor dem Altar des Berliner Doms erklangen die Worte eines starken, fürsorglichen, mitfühlenden und zuversichtlichen Menschen.

Deutschland ist ein Staat, der den Mut hatte, die eigenen Verbrechen zu gestehen und aufzuarbeiten. Deutschland ist ein Staat, in dem eine der größten türkischen Gemeinden Europas lebt. Deutschland war immer ein Partner und Verbündeter der Türkei. Von diesem Staat über den armenischen Völkermord mit deutlichen Worten zu sprechen, ist ein Zeichen in Richtung Türkei, dass sich Tendenzen und die Stimmung ändern. Die staatlichen Interessen fügen sich allgemeingültigen Werten. Die höchsten Wertesysteme und die Wahrheit treten in den Vordergrund.

Der deutsche Bundespräsident hatte den Mut, die Teilverantwortung für den armenischen Völkermord anzusprechen und in einigen Fällen auch die Mittäterschaft zu erwähnen. Er findet diese klaren Worte nicht, um sich an die niederdrückende Vergangenheit zu binden, sondern um wachsam zu sein, wenn wieder Vernichtung und Terror die Menschheit bedrohen.

Der Deutsche Bundestag debattiert über eine Resolution, die die im Jahre 1915 stattgefundene Vernichtung und Deportation der Armenier im Osmanischen Reich als Genozid bezeichnet.

Wir wissen nicht, was für ein Schicksal diese Resolution haben wird oder in welcher Frist sie verabschiedet wird, aber eines ist klar: Bundespräsident Gauck wird in der Geschichte des armenischen Volkes zusammen mit Ronald Reagan und Woodrow Wilson gleichermaßen in Erinnerung bleiben.

Es kann sein, dass meine Worte den Bundespräsidenten nicht erreichen werden, vielleicht gibt es auch keinen Bedarf dafür. Ich weiß nicht, in welcher Form Joachim Gauck in die deutsche Geschichte eingehen wird, aber eines weiß ich bestimmt: Dieser Name wird ein unwiderruflicher Teil der armenischen Geschichte und füllt für Jahrhunderte und mit Liebe und Respekt geschrieben die Seiten unserer Geschichtsbücher. Das weiß ich sicher.

Danke!"

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