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Seit Dezember ist der langjährige hessische JU-Landesvorsitzende Dr. Peter Tauber MdB neuer Generalsekretär der CDU Deutschlands.
VON GEORG MILDE

Vom Schreibtisch des CDU-Generalsekretärs im Berliner Konrad-Adenauer-Haus blickt man gleich mehrfach auf Bilder der preußischen Königin Luise (1776-1810). „Eine sensationelle Frau“, sagt Peter Tauber über die in seiner hessischen Heimat aufgewachsene Monarchin. „Sie war modern, mischte den preußischen Hof auf und hielt sich nicht an die Etikette.“ Die Begriffe passen auch zu Tauber, der sich in keine Schublade einordnen lassen möchte.

„Ich stamme aus keinem CDU-Elternhaus“, so der gebürtige Frankfurter. „Mein Vater war SPD-Mitglied, meine Mutter wählte die FDP.“ In der bewegten Zeit der deutschen Einheit zog es den damals 16-Jährigen dennoch zur Union: „Ich wollte etwas machen.“ Im Bundestagswahlkampf 1990 hielt der damalige CDU-Generalsekretär Volker Rühe eine Rede im örtlichen Dorfgemeinschaftshaus, und Tauber saß auf dem Boden des überfüllten Flures: „Das war eine Old-School-Veranstaltung mit Blaskapelle, aber ich war dennoch fasziniert.“ Sein eigentliches politisches Erweckungserlebnis war eine Beschwerde beim SPD-Bürgermeister seines Heimatortes Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis): Mit seinen Freunden wollte Tauber erreichen, dass der „Sozi-Platzwart“ des Fußballvereins sie nicht länger vom Sportplatz vertreiben sollte. Das offensichtliche Desinteresse des Bürgermeisters führte bei den Hobbykickern zur Initialzündung: „Dann gründen wir eben die Junge Union!“ Tauber wurde Ortsvorsitzender und später stellvertretender Kreisvorsitzender der JU Main-Kinzig. „Besonders erinnere ich mich an die Bundestagswahlkämpfe – die Rote-Socken-Kampagne von 1994 und die Beschimpfungen an den Wahlkampfständen 1998.“

Nach seinem Abitur nahm Tauber ein Geschichtsstudium in Frankfurt am Main auf, das 1995 durch seinen Wehrdienst unterbrochen wurde. Entgegen seines Plans, sich hauptberuflich der Wissenschaft zu widmen, nahm Tauber 2001 das Angebot wahr, Landesgeschäftsführer der Jungen Union Hessen zu werden. „Mir hat die Arbeit in Wiesbaden und vor allem auch in der Fläche viel Spaß gemacht“, blickt er auf die Jahre zurück, als die JU Hessen mit der Comicfigur „RoKo“ Werbung für den damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch machte. 2003 wurde Tauber vom scheidenden JU-Landesvorsitzenden Frank Gotthardt gefragt, ob er sein Nachfolger werden wolle. Vom hauptamtlichen Geschäftsführer zum politischen Chef desselben Verbandes – ein höchst seltener Fall, der Tauber reizte: Die folgenden sechs Jahre lang stand er an der Spitze der JU Hessen, eine bewegte Zeit mit Ypsilanti-Krise und Landtagsneuwahl. Beruflich sammelte Tauber währenddessen Erfahrungen als Persönlicher Referent der hessischen Kultusministerin Karin Wolff sowie als Pressesprecher der Deutschen Vermögensberatung AG. Besonders stolz ist er auf seine in diesen Jahren entstandene Doktorarbeit, in der er als Historiker beleuchtete, wie der Fußball während des Ersten Weltkriegs im Deutschen Reich entscheidend etabliert wurde und dem Turnsport den Rang ablief.

Als es im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 darum ging, einen CDU-Kandidaten für den seit 1994 nicht mehr von der Union gewonnen heimatlichen Wahlkreis zu küren, warf Tauber seinen Hut in den Ring – und gewann: Zuerst die parteiinterne Nominierung und dann auch den Wahlkreis direkt. „Wahnsinn“, reibt er sich heute noch die Augen über den Sprung auf die große politische Bühne. Unter seinen neuen Berliner Fraktionskollegen war mit Blick auf Tauber und seine Mitarbeiter bald vom „Büro, das sich duzt“ die Rede. „Das fanden manche unglaublich und mir wurde klar, dass solch‘ ein Umgangston nicht alltäglich ist“, so Tauber. Dass er nach der Wiederwahl in den Deutschen Bundestag, diesmal mit 16 Prozent Vorsprung zu seiner SPD-Herausforderin, Teilnehmer der Koalitionsverhandlungen für den Bereich Digitale Agenda war, empfand Tauber als „Ritterschlag“. Doch der eigentliche Ritterschlag sollte noch folgen: Als dann an einem Wahlkreisnachmittag Mitte Dezember sein Telefon-Akku leer war, ahnte er nicht, weshalb sein Büro ihn stundenlang zu erreichen versuchte: Termin bei der Bundeskanzlerin am kommenden Morgen. „Im Flugzeug dachte ich hin und her, was Angela Merkel wohl sagen würde. Den Gedanken, dass sie mir eine Aufgabe zutrauen würde, fand ich vermessen – ich dachte, dass ich auf keiner Personalliste stehe“, so Tauber. „Dann war ich da, und obwohl ich sonst um keinen Spruch verlegen bin, kam mir dieser Moment ein Stück unwirklich vor.“ Die CDU-Vorsitzende bot ihm das Amt des Generalsekretärs an. „Wenn Sie mir das zutrauen, mache ich das“, lautete seine Antwort.

Das neue Amt nimmt Tauber voll in Anspruch: „Ich war schon eine enge zeitliche Taktung gewohnt, aber als Generalsekretär trägt man besondere Verantwortung an einer sehr sichtbaren Stelle.“ Er habe nun die Aufgabe, stets auf das Neue die Frage zu beantworten, was denn eigentlich die CDU ausmache. „Natürlich spüre ich den Druck und die Erwartungen, aber ich kann nicht den ganzen Tag nur darauf blicken, sondern muss initiativ handeln, damit die Partei von einem positiven Selbstwertgefühl profitiert.“ Manch‘ einer muss sich dabei noch an Taubers unkonventionellen Stil gewöhnen. Kürzlich postete er ein lustiges Foto auf seiner Facebook-Seite und wurde prompt gefragt, ob so viel Lockerheit einem Generalsekretär entspräche. Er fand: „Ja!“ Ebenso müssen sich die Mitarbeiter des Konrad-Adenauer-Hauses darauf einstellen, dass ihr neuer Kapitän nach dem Ende seiner offiziellen Tagestermine gerne in Jeans und Kapuzenpullover schlüpft und damit durch das Haus läuft, statt nur Mitarbeiter zu sich rufen zu lassen.

„Man kann mir keinen Stempel aufdrücken“, sagt Tauber. Der patriotische Reserveoffizier ist zugleich Verfechter der doppelten Staatsbürgerschaft. Er ist für die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, aber gegen die aktive Sterbehilfe. Im Mut zum offensiven Vertreten von polarisierenden Meinungen sieht er eine große Chance: „Das Nein zur aktiven Sterbehilfe ist eine Riesenthema für Konservative! Wir dürfen die Menschen nicht mit ihrer Angst vor Leiden und Tod alleine lassen. Viele sind nur deshalb am Thema aktive Sterbehilfe interessiert, weil sie sich alleine fühlen. Als Union müssen wir da Mitgefühl beweisen und Alternativen aufzeigen, etwa die Hospizbewegung.“ So will er in seiner neuen Funktion auch die CDU offensiv vertreten: „Unsere Mitglieder haben den Wunsch, dass wir auch bei vermeintlichen SPD-Themen Profil zeigen und dagegenhalten!“ Dazu stellt er jedoch auch Forderungen an die Parteifreunde und Fraktionskollegen: „Wir brauchen eigene Vorschläge statt negativer Bezüge.“ Und man müsse raus zu den Menschen: „Im politischen Berlin gerät man zwangsläufig in eine Filter-Bubble.“ Und manchmal, nach einer langen politischen Woche, entzieht sich Tauber vollkommen dem Sog dieser Blase. Dazu schaltet er am Wochenende in einem Fantasy-Rollenspiel ab, bei dem er virtuell in die Rolle eines Avatars schlüpft und gegen die kaiserliche Armee kämpft – auf der Seite der „Sturmmäntel“.

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