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1992 wurde die damals 30-jährige Cornelia Yzer jüngste Parlamentarische Staatssekretärin in der Regierung Kohl - bei der damaligen Bundesministerin Angela Merkel. Seit kurzem ist sie neue Berliner Wirtschaftssenatorin.


„Ich bin bei der Jungen Union hängengeblieben“, erinnert sich Cornelia Yzer an die späten siebziger Jahre, als sie sich als 17-Jährige zunehmend für Bildungspolitik interessierte und Veranstaltungen der Jungdemokraten, Jungsozialisten und eben der Jungen Union besuchte. Die JU überzeugte sie inhaltlich. Schon bald darauf wurde sie deren Stadtverbands- und dann Kreisvorsitzende im Märkischen Kreis (Sauerland). „In der Jungen Union haben wir Widerstand gegen CDU-interne Verhältnisse geleistet. In vielen Gremien saßen fast nur ältere Jahrgänge – wir Jüngeren wollten stärker einbezogen werden.“ Heute, 25 Jahre später, sei die Zusammensetzung von Parteigremien altersmäßig viel stärker durchmischt. Doch wollte Yzer es nicht nur bei Forderungen belassen und machte 1985 dem damaligen Landrat ihres Kreises die Nominierung für den CDU-Landesvorstand streitig - mit Erfolg. Man verliere durch solche Wagnisse die Angst vor „großen Tieren“, sagt sie im Rückblick. 1986 wurde sie dann zur Stellvertreterin des Rheinländers Ronald Pofalla an die Spitze des fusionierten JU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen gewählt. Während dieser Zeit arbeitete sie im zudem Büro ihres örtlichen Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Otto Wulff, dem heutigen Bundesvorsitzenden der Senioren-Union, und absolvierte ihre beiden juristischen Staatsexamen. 1989 dann der Berufseinstieg bei der Bayer AG und bald darauf zugleich die Anwaltszulassung. „Einen Wechsel in die hauptberufliche Politik hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht auf der Agenda, denn mir gefiel mein Beruf.“

„Damals war ich völlig überrascht – ich wurde ins Wasser geworfen und musste Schwimmen lernen.“

Dann kam der 9. November 1989. „Das war ein großartiges Gefühl“, erinnert sich Yzer, „ich war vor dem Mauerfall noch nie in der DDR gewesen - immer nur in Ost-Berlin. Mit der Jungen Union waren wir damals oft im Westteil der Stadt, haben am Reichstagsgebäude demonstriert und ließen Rockmusik über die Mauer tönen.“ Plötzlich war alles anders; Yzer reiste mit einer CDU-Delegation zur Wartburg und nach Weimar – und schildert im Rückblick ihren damaligen Gedanken: „Wenn man etwas beitragen kann, dann jetzt!“ Genau in dieser Stimmung ergab sich eine unvorhergesehene Entwicklung. Yzer: „Ich hatte bereits im JU-Landesvorstand eine Broschüre über den Wechsel zwischen Politik und Beruf geschrieben, als Otto Wulff sich unerwartet entschloss, genau diesen zu vollziehen.“ Wulff wurde Direktor bei der Deutschen Bank – und unterstützte Yzer für seine Nachfolge im Wahlkreis Märkischer Kreis I. „Ich weiß gar nicht, ob ich angetreten wäre, wenn es nicht um die Wahl des ersten gesamtdeutschen Parlaments gegangen wäre“, so Yzer. Sie entschied sich für den Schritt – und fand sich erneut in einer Wettstreit der Generationen wieder: „Es gab mehrere Kandidaten, die sich in jedem der Ortsverbände zur Wahl stellten.“ Am Ende setzte sie sich gegen mehrere alteingesessene Lokalpolitiker durch und wurde am 2. Dezember 1990 in den Deutschen Bundestag gewählt. „Nach der Wahl haben wir jungen Abgeordneten erstmals eine Junge Gruppe innerhalb der Unionsfraktion gegründet“, so Yzer. „Das wurde damals noch mit Argusaugen betrachtet.“ Sie wurde Mitglied des Rechtsausschusses und dort Berichterstatterin für verschiedene Themen im Zuge der Wiedervereinigung, die sie mehrfach direkt in Kontakt mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl brachten. Als der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Frauen und Jugend, Peter Hintze, 1992 neuer CDU-Generalsekretär wurde, fiel die Wahl seiner Nachfolge auf Yzer: „Damals war ich völlig überrascht – ich wurde ins Wasser geworfen und musste Schwimmen lernen.“ Chefin des Ressorts war die damalige Bundesministerin Angela Merkel. „Wir kannten uns zuvor nicht, waren uns nur am Rande von Fraktionssitzungen begegnet“, so Yzer. „Ich erlebte Angela Merkel dann als junge, unkomplizierte Ministerin ohne Allüren. Man kam leicht mit ihr ins Gespräch und wir haben oft bis spätabends über unsere Erfahrungen in Ost- und Westdeutschland erzählt.“ Nach der Bundestagswahl 1994 gelangte Yzer nicht nur in den CDU-Bundesvorstand, sondern wechselte auch das Ministerium und wurde Parlamentarische Staatssekretärin bei Jürgen Rüttgers, dem neuen Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Biotechnologie, Gentechnikgesetz, Forschungsprogramme, Energiepolitik – beim Rückblick sprudelt die Begeisterung geradezu aus ihr heraus. „Besonders spannend war es, Mitte der neunziger Jahre einen der ersten Internet-Anschlüsse ins Ministerium gelegt zu bekommen – das Problem war nur, dass man niemanden kannte, der auch einen hatte.“


Bei ihrer Wahl in den Bundestag hatte Yzer angekündigt, sie strebe nur zwei Legislaturperioden im Parlament an. Als sie das Angebot erhielt, 1997 Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller zu werden, wurde sie an ihre Ankündigung von damals erinnert. „Ich habe immer Gelegenheiten beim Schopfe ergriffen, einzusteigen, aber irgendwann auch wieder auszusteigen“, so Yzer. „Die Verantwortung in einem neugegründeten Verband mit 60 Mitarbeitern reizte mich – wenn alles schon fertig ist, wird es langweilig.“ So schied sie aus ihrem Regierungsamt aus und ebenso im Jahr darauf aus dem Deutschen Bundestag. Mehr als 14 Jahre lang baute sie Verbandsstrukturen auf, organisierte den Umzug nach Berlin, betrieb Standortpolitik für die Deutschland, sowohl mit Blick auf die Produktion als auch auf die Forschung. Dann im September 2012 die Anfrage des Berliner CDU-Chefs Frank Henkel, ob sie bereit sei, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung zu werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich der Versuchung noch einmal erliegen würde“, so Yzer über ihren erneuten Seitenwechsel. Ihre Erfahrungen der vergangenen Jahre kommen ihr nun zugute: „Man bekommt im Laufe der Zeit ein gutes Gespür dafür, welche Forderungen von Unternehmen berechtigt und welche vielleicht übertrieben sind.“ Sie ist eine Frau der Praxis: „Ich finde derzeit viele Masterpläne vor – aber Planung reicht nicht, es kommt auf die Umsetzung an!“

Über Cornelia Yzer

Geboren am 28. Juli 1961 in Lüdenscheid, evangelisch, Mutter einer Tochter. 1981 Abitur, Studium Rechts- und Wirtschaftswissenschaft in Bochum und Münster. 1985 1. jur. Staatsexamen, 1989 2. jur. Staatsexamen, 1989/92 Abteilungsleiterin Bayer AG, seit 1990 Rechtsanwältin. 1978 Eintritt in JU und CDU, Stadtverbands- und Kreisvorsitzende der JU, ab 1986 stellv. Landesvorsitzende JU Nordrhein-Westfalen und Mitglied des CDU-Landesvorstandes,1989/91 Kreistagsabgeordnete Märkischer Kreis,1990/98 Mitglied des Deutschen Bundestages, 1992/94 Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Frauen und Jugend und 1994/97 beim Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, 1994/98 Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. 1997/12 Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller. Seit September 2012 Berliner Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

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