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Herr Bremer, Ihr Lebenslauf ist abwechslungsreich: Politiker und Journalist, liberal und links, Stern-Chefredakteur und Sprecher des Axel Springer Verlags. Haben Sie das nie als widersprüchlich erlebt?
Nein, denn immer ging es um Neugier, Interesse an Problemen und Alltagssorgen; darum, Lösungsideen zu entwickeln, zu beschreiben, einzuschätzen. Und das mit (links-)liberaler Grundhaltung.

Als Vorsitzender der Jungdemokraten, den damaligen JuLis, galten Sie als links. Würden Sie als junger Menschen heute auch zu den Liberalen gehen?
Links, das war Eintreten für Bürgerrechte, den mündigen Bürger, die soziale Abfederung; gegen staatliche Allmacht, Regulierungswut und Gutmenschentum. Die Liberalen sind – daran gemessen – nicht mehr attraktiv.

1982 traten Sie aus der FDP aus. Wegen des Wechsels der FDP an die Seite von CDU und CSU?
Nein, ein Wechsel war unabweisbar, aber bitte nicht mitten in der Legislatur – das war schlechter Stil. Nach der Wahl hätte ich okay gesagt.

Kennen Sie viele Journalisten mit FDP-Vergangenheit?
Ich kenne viele Kollegen mit liberaler Gesinnung, was nicht identisch mit FDP-Politik sein muss.

Fehlen dem deutschen Journalismus Originale?
Es fehlt an Mut, gegen den Strich zu bürsten, nicht bequem den Mainstream zu folgen – damit eine kontroverse Debatte geführt wird.

Seit den 1990er Jahren waren Sie eines der prägenden Gesichter von RTL. Was denken Sie über den Vorwurf, RTL sei Unterschichten-TV?
Vorurteil: RTL zieht mit seinem breit gefächerten Programm viele, auch unterschiedliche Teile der Bevölkerung an – und das sehr erfolgreich.

Was fehlt der politischen Debattenkultur in unserem Land?
Gelassenheit, Nachdenklichkeit, Offenheit, Vorurteillosigkeit statt Skandalisierung und Alarmismus.

Wovon haben wir zu viel?
Zu viel Leerformeln und Hohlspruch; zu wenig Aufklärung und Orientierung.

Welchen Moment Ihrer journalistischen Karriere werden Sie nie vergessen?
Die Barschel-Affäre, den Fall der Mauer und die Terroranschläge vom 11. September in den USA.

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

Über Heiner Bremer:

Heiner Bremer war 1970 bis 1989 Redakteur und später Chefredakteur des „Stern“, 1989 bis 1993 Leiter der Stabsabteilung Information und Öffentlichkeitsarbeit des Axel Springer Verlags und ab 1994 Redaktionsleiter und Moderator des „RTL Nachjournal“. Seit 2003 ist er Kommentator bei n-tv und Moderator der Talk-Sendung „Das Duell“.

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