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Sind Sie Teil eines politischen Problems? Was macht Ihnen Hoffnung? Diese Woche beantwortet Tilman Kuban, Chef der Jungen Union, unsere Fragen

1
Welches Tier ist das politischste?

Als Niedersachse sage ich: Das Pferd. Weil es sturmfest und erdverwachsen ist.

2
Welcher politische Moment hat Sie geprägt – außer dem Kniefall von Willy Brandt?

Die Anschläge vom 11. September 2001. Ich war 14 Jahre alt und mit dem Fahrrad zum Fußballtraining unterwegs. Als ich ankam und im Fernseher im Clubhaus die Türme habe einstürzen sehen, habe ich gespürt, dass hier etwas passiert ist, was die Welt verändern wird.
Hatten Sie Angst?
Angst nicht, aber es hat mich bedrückt.

3
Was ist Ihre erste Erinnerung an Politik?

Das muss Anfang, Mitte der 90er Jahre gewesen sein, meine Eltern haben damals mit der Umweltbewegung in Niedersachsen demonstriert. Da waren viele Menschen fröhlich für die Sache vereint. Inhaltlich habe ich das vermutlich nicht verstanden, aber dieses Gemeinschaftsgefühl hat mich beeindruckt.
Sind Ihre Eltern etwa bei den Grünen?
Nein, meine Eltern sind in keiner Partei.

4
Wann und warum haben Sie wegen Politik geweint?

Als ich vom Tod meines Freundes Philipp Mißfelder erfahren habe. Er war einer, zu dem viele von uns Jüngeren aufgeschaut haben, weil ich niemanden kannte, der Menschen so sehr fesseln und für die gemeinsame Sache begeistern konnte.

5
Haben Sie eine Überzeugung, die sich mit den gesellschaftlichen Konventionen nicht verträgt?

Ich bin nicht sicher, ob sich meine Meinung zum Diesel mit den aktuellen gesellschaftlichen Konventionen verträgt.
Den Diesel finden Sie gut?
Ich bin der Überzeugung, dass wir auch in den nächsten Jahren noch Verbrennungsmotoren in Deutschland haben werden und dass wir nicht eine Technologie verteufeln sollten, die wir noch brauchen zum Beispiel für synthetische Kraftstoffe.

6
Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, mächtig zu sein?

Als ich als Schiedsrichter meine erste rote Karte verteilt habe. Da muss ich ungefähr 16 Jahre alt gewesen sein.
Sie haben am vergangenen Montag im Bundesvorstand Ihrer Partei nach den Worten Ihrer Vorsitzenden die Führungsfrage gestellt. Haben Sie sich in dem Moment mächtig gefühlt?
Nein. In der Politik sollte man immer die nötige Demut haben. Ich fühle mich nicht mächtig. Ich werfe die Themen auf, die viele Menschen - innerhalb und außerhalb der Partei bewegen. Viele Wähler sind verunsichert, weil momentan nicht klar ist, wer für uns in das Rennen um die Kanzlerschaft geht. Und das bringe ich offen zur Sprache.

7
Und wann haben Sie sich besonders ohnmächtig gefühlt?

Am vergangenen Wochenende zum Beispiel. Mit Mike Mohring haben wir einen unheimlich sympathischen, engagierten und kompetenten Politiker, den wir auch als Junge Union ziemlich unterstützt haben. Wenn dann trotzdem in Thüringen zu über 50 Prozent Rechts – und Linkspopulisten gewählt werden, dann macht mich das nachdenklich.

8
Wenn die Welt in einem Jahr untergeht – was wäre bis dahin Ihre Aufgabe? Sie dürfen allerdings keinen Apfelbaum pflanzen.

Erstmal würde ich bezweifeln, dass sie in einem Jahr untergeht. Wenn von der einen Seite von den Rechten der Untergang des Abendlandes gepredigt wird und von der anderen Seite der Weltuntergang von den Klima-Apokalyptikern halte ich dagegen. Die Welt wird nicht untergehen. Ich würde daher weiter daran arbeiten, dass die Junge Union die modernste politische Jugendorganisation Europas wird. Ich würde also weitermachen.
Sie würden es einfach nicht glauben?
Genau. Weil ich Optimist bin.

9
Sind Sie lieber dafür oder dagegen?

Dafür. Ich sehe immer erst die Chancen und bewerte dann das Risiko. Ich will, dass wir Lust auf Zukunft haben, und deshalb stehe ich neuen Entwicklungen positiv gegenüber.

10
Welche politischen Überzeugungen haben Sie über Bord geworfen?

Dass alle Politiker Idealisten sind. Es sind schon eine ganze Menge Leute unterwegs, die häufiger auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.

11
Könnten Sie jemanden küssen, der aus Ihrer Sicht falsch wählt?

Ja, ich kann politisches und privates sehr gut trennen.
Haben Sie es auch schon mal gemacht?
Ja. Wobei falsch ja immer relativ ist.
Sind Sie also notorischer Falschküsser?
Nein, notorisch ist das nicht. Ist aber mein Privatleben, deshalb bleibt das auch privat.

12
Haben Sie mal einen Freund oder eine Freundin wegen Politik verloren?
Und wenn ja – vermissen Sie ihn oder sie?

Nein, meine Freunde kennen mich und die müssen nicht immer mit allem einverstanden sein, was ich mache. Das sagen sie mir dann auch sehr klar. Aber beim gemeinsamen Bierchen ist jeder inhaltliche Streit auch wieder vergessen.

13
Welches Gesetz haben Sie mal gebrochen?

Das dürfte wahrscheinlich die Straßenverkehrsordnung sein. Ich fahre einfach gerne Auto und manchmal vielleicht auch einen Tick zu schnell.

14
Waren Sie in Ihrer Schulzeit beliebt oder unbeliebt, und was haben Sie daraus politisch gelernt?

Ich glaube, dass man mein strategisches Geschick immer geschätzt hat. Beim Fußball habe ich vor allem gelernt, im Team zu spielen und dass man gute Mitspieler braucht, um hin und wieder einen Ball verwandeln zu können. Beim Fußball kann man zusammen gewinnen und zusammen verlieren, das hat mich sehr geprägt.
Also waren Sie eher beliebt und haben daraus gelernt, dass man zusammenhalten muss, um zu gewinnen?
Fußball hat mich jedenfalls sehr geprägt – Schulzeit ist ja nicht nur Schule. Abercron ob man beliebt ist oder unbeliebt, müssen andere beurteilen.

15
Welche politische Ansicht Ihrer Eltern war Ihnen als Kind peinlich?

Peinlich war mir nichts, aber wir haben definitiv häufig kontrovers diskutiert. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich zu einem kritischen Menschen erzogen haben.

16
Nennen Sie eine gute Beleidigung für einen bestimmten politischen Gegner.

Ich habe gerade Björn Höcke als Nazi bezeichnet, da wäre auch noch Platz für ein Adjektiv gewesen.
Und das wäre?
Widerlich.

17
Welche Politikerin, welcher Politiker hat Ihnen zuletzt leidgetan?

Mitleid ist immer schwierig. Aber ich habe Mitleid empfunden, als Sigmar Gabriel seinen Rückzug aus dem Bundestag verkündet hat, weil ich den Eindruck hatte, dass er vor allem in letzter Zeit weniger Wertschätzung erfahren hat, als er verdient hätte. Man ist ihm aus meiner Sicht nicht gerecht geworden.

18
Welche Politikerin, welcher Politiker müsste Sie um Verzeihung bitten?

Mich muss niemand um Verzeihung bitten, weil ich nicht nachtragend bin. Man darf in der Politik nichts persönlich nehmen, das versuche ich mir auch selbst immer wieder klar zu machen.

19
Welche Politikerin, welcher Politiker sollte mehr zu sagen haben?

Ich würde mir wünschen, dass Jens Spahn als fleißiger und sehr durchsetzungsstarker Minister noch mehr Verantwortung in unserem Land hätte. Er hat dem Thema Gesundheit und Pflege einen neuen Stellenwert gegeben. So etwas hat es in den letzten Jahren nicht gegeben.
In welchem Amt könnte er mehr Verantwortung haben?
Er wäre sicher befähigt, auch andere Ämter in einer Bundesregierung zu übernehmen.
Auch die Spitze einer Bundesregierung?
Die Frage stellt sich aktuell nicht. Aber das Zeug dazu hat er sicherlich.

20
Welche politische Phrase möchten Sie verbieten?

Verbote sind nicht mein Ding. Aber an manchem Wahlabend droht das Phrasenschwein überzulaufen, wenn man sich die Äußerungen der Parteispitzen so anhört.
War das auch am Wochenende nach der Thüringen-Wahl so, auch bei Ihrer Parteispitze?
Das erlebt man an nahezu jedem Wahlabend.

21
Finden Sie es richtig, politische Entscheidungen zu treffen, auch wenn Sie wissen, dass die Mehrheit der Bürger dagegen ist?

Als Junge Union machen wir das naturgemäß, wenn es etwa um Rentengeschenke aufgrund der Altersstruktur unserer Bevölkerung geht. Insofern gibt es Entscheidungen, gegen die man sich auflehnen muss, im Interesse der jüngeren Generation.
Das sind allerdings Forderungen und Anträge, die Sie stellen. Sie würden das auch tun, wenn Sie wirklich entscheiden könnten?
Absolut, weil ich für eine generationengerechte Politik stehe.

22
Was fehlt unserer Gesellschaft?

Aktuell fehlt unserer Gesellschaft mehr Zusammenhalt, zwischen Alt und Jung, Stadt und Land, Ost und West. Es braucht mehr gute sachliche Debatten statt Moralkeulen und Absolutheitsansprüchen und vielleicht auch mal die eine oder andere Kontroverse.
Also Zusammenhalt UND Streit?
Um Zusammenhalt zu schaffen, braucht es gute sachliche Debatten, die nicht immer gleich zu Personaldiskussionen stilisiert werden.

23
Welches grundsätzliche Problem kann Politik nie lösen?

Dass alle Menschen zufrieden sind. Der Mensch strebt nach mehr und deshalb werden wir es nie schaffen, dass alle voll und ganz zufrieden sind.

24
Sind Sie Teil eines politischen Problems?

(lacht) Wer beantwortet bitte diese Frage mit Ja? Mein Anspruch ist es, Teil der Lösung zu sein.

25
Nennen Sie ein politisches Buch, das man gelesen haben muss.

Unter Linken von Jan Fleischhauer fand ich sehr unterhaltsam und aufschlussreich, weil es durchaus die Doppelmoral mancher Linker in Deutschland sehr stark enthüllt.

26
Bitte auf einer Skala von eins bis zehn: Wie verrückt ist die Welt gerade?
Und wie verrückt sind Sie?

Die Welt ist aufgrund der außenpolitischen Ereignisse der letzten Jahre momentan sicher eine acht. Und ich würde sagen: Ich – so ´ne sechs, weil ich eigentlich immer für einen Spaß zu haben bin.

27
Der beste politische Witz?

Der ist von Franz Josef Strauß: Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre nichts. Und dann wird der Sand knapp.

28
Was sagt Ihnen dieses Bild (siehe das Foto von einem Steak links)?

Ein schönes Steak gehört auf den Grill. Ich habe ja kürzlich bei der Jungen Union gesagt, es soll noch Leute geben, die gerne in den Urlaub fliegen oder mit Freunden zusammen grillen.
Zu denen gehören Sie auch?
Klar. Auch wenn ich mir natürlich Gedanken darüber mache, wo das Fleisch herkommt.
Keine Fleischscham?
Nein.

29
Wovor haben Sie Angst – außer dem Tod?

Ich habe Angst davor, dass Leute aus meinem Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte, schwer krank werden könnten.

30
Was macht Ihnen Hoffnung?

Wenn ich sehe, dass wir in Deutschland Innovationen entwickeln können, dass wir immer noch Lust darauf haben, Innovationsweltmeister zu bleiben, dass wir beispielsweise Wasserstoffzüge entwickeln, das weckt in mir die Hoffnung, dass wir noch in der Lage sind, in der Welt mitzuhalten.

Die Fragen stellte Tina Hildebrandt
Erschienen in der Zeit am 30.10.2019

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