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„Als ich Schüler war, trat an meinem Gymnasium eine Einheitsliste für die Schülervertretung an - dagegen habe ich dann den Protest organisiert“, erinnert sich Lutz Stroppe an seinen Einstieg ins politische Engagement Mitte der siebziger Jahre in Braunschweig. Als Konsequenz der Protestbewegung wurde der gebürtige Wolfenbütteler selber zum Schülersprecher gewählt. „Damals gab es noch nicht überall die Schüler Union, aber bei uns einen ihrer Vorläufer, die Aktionsgruppe Braunschweiger Schulen“, so Stroppe, der über die SV-Arbeit zur Jungen Union stieß. Bald darauf wurde er zum JU-Kreisvorsitzenden und einige Jahre später zum Landesvorsitzenden der JU Braunschweig gewählt. „Parallel dazu war ich Gruppenvorsitzender und Landesvorsitzender des RCDS in Niedersachsen. Dadurch bin ich kaum noch zum Studieren gekommen“, so Stroppe, dessen Berufsziel damals Gymnasiallehrer lautete. Diese Ämterkombination eines Unter-25-Jährigen wirft die Frage auf, ob sich Stroppe damals eine Karriere als Abgeordneter hätte vorstellen können. „Das wollte ich nicht, aber es zeichnete sich bereits die Frage einer Landtagskandidatur ab. An diesem Punkt habe ich mich aber für einen ordentlichen Studienabschlusses entschieden.“ Die Konsequenz: Stroppe wechselte vom Studienort Braunschweig nach Mainz und gab alle politischen Ämter ab, um sich auf sein 1. und 2. Staatsexamen zu konzentrieren, wodurch er 1985 Studienassessor wurde.

Doch ihn ließ die Politik nicht mehr los: Bereits Ende 1985 wurde Stroppe wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS) in Sankt Augustin. An seine Zeit im aktuellen Zeitungsarchiv denkt er gern zurück: „Ich erinnere mich vor allem an die spannende Zeit der Bundestagswahl 1987.“ Nach einem Jahr dann die Rückkehr nach Mainz, wo Stroppe die Leitung des KAS-Bildungswerkes übernahm: „Schon während des Studiums hatte ich meine Liebe zur politischen Erwachsenenbildung entdeckt.“ Bei aller Begeisterung für die neue Aufgabe spürte er bald die aufkommenden „relativ schwierigen Fahrwasser“, in die die rheinland-pfälzischen CDU geriet: 1987 verlor sie ihre absolute Mehrheit, 1988 folgten massive Querelen innerhalb der Landespartei und 1991 dann der Machtverlust bei der Landtagswahl, der bis heute anhält.

Im Herbst 1991, wenige Monate nach dem Hauptstadtbeschluss des Deutschen Bundestages, wurde Stroppe die Leitung des Berliner KAS-Bildungswerkes übertragen, dem in den ersten Jahren der deutschen Einheit und vor dem Umzug von Teilen der KAS an die Spree eine besondere Bedeutung zukam. „Das war eine Herausforderung“, so Stroppe, „auch deshalb, weil von dort aus zunächst ebenfalls die Bundesländer Brandenburg und Sachsen-Anhalt betreut wurden. Es hat mir Freude gemacht, am Einheitsprozess direkt mitwirken zu können.“

Acht Jahre später eine weitere Herausforderung: Der frühere Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl suchte 1999 im Zuge des Umzugs seines Büros nach Berlin unweit des Brandenburger Tores einen neuen Mitarbeiter. „Ich hatte noch nie so eng für eine so herausragende und in diesem Fall schon historische Persönlichkeit gearbeitet“, so Stroppe über seine damaligen Gedanken. „Für Helmut Kohl zu arbeiten, war ein Traum. Und ich bin mit einer Pfälzerin verheiratet, das hat mir auch Vieles erleichtert.“ Besonders beeindruckte ihn Kohls „unglaubliches historisch-politisches Wissen über Personen, Fakten und Zusammenhänge - und die Bereitschaft, dieses Wissen einzusetzen, etwa bei internationalen Reisen, um damit zum besseren gegenseitigen Verständnis beizutragen.“ Stroppe, der 2001 zum Leiter des Büros aufstieg, begleitete Kohl im Rahmen seiner Besuche zu Staatsmännern wie Clinton, Bush, Jelzin, Putin und Hu Jintao.

Im Jahr 2006 starb unerwartet der Leiter der Bereiches "Politische Programme und Analysen" der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Heiner Lueg, und hinterließ eine besonders schmerzliche Lücke, da die Funktion des „Politikchefs“ der Parteizentrale für die bevorstehende Erarbeitung des neuen CDU-Grundsatzprogramms eine herausgehobene Bedeutung hatte. Der damalige CDU-Generalsekretär Pofalla fragte Stroppe, ob er sich einen Wechsel in das Konrad-Adenauer-Haus vorstellen könne. Dieser sagte zu und hatte in den kommenden drei Jahren viel zu tun: „Grundsatzprogramm mit 2500 Änderungsanträgen, Europawahlprogramm und Bundestagswahlprogramm - die Begleitung dieser drei Prozesse war sehr arbeitsintensiv, aber auch unglaublich reizvoll.“ Pofalla habe es verstanden, durch Vertrauensvorschuss zu führen. So hatten die leitenden Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle einen großen eigenen Spielraum - „aber bei politischem Konfliktpotenzial hat er als Generalsekretär entschieden.“ In lebendiger Erinnerung ist Stroppe auch der Bundestagswahlkampf 2009 mit „einer asymmetrischen Wahlkampfführung, um die SPD-Angriffe durch das Setzen anderer Themen abzulenken.“

Nach dem Erreichen einer christlich-liberalen Mehrheit bei der Bundestagwahl erhielt Stroppe Anfang 2010 einen Anruf des neuen Staatssekretärs im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Josef Hecken, der ihn als Leiter der Abteilung „Kinder und Jugend“ in das inzwischen von Bundesministerin Kristina Köhler geführte Haus holen wollte. „Hecken kannte mich aus den Gesprächen von CDU und CSU über das gemeinsame Wahlprogramm, wo er die gesundheitspolitischen Themen mitverhandelt hatte", so Stroppe. „Ich habe ihm gerne zugesagt, da es thematisch einer Rückkehr zu dem war, was ich bereits in den siebziger und achtziger Jahren mit Begeisterung gemacht hatte.“ Von da an beschäftigte er sich unter anderem mit der Jugendverbandsarbeit und war die treibende Kraft bei der Erarbeitung des Bundeskinderschutzgesetzes. Im Sommer 2012 wurde Stroppe von der Ministerin zum Nachfolger von Hecken als Staatssekretär ernannt: „Mit dem Amt des Staatssekretärs war eine wirkliche Veränderung verbunden, da man im Gegensatz zu den früheren Aufgaben selbst mitten im ‚Feuer‘ steht und vor allem Probleme verschiedenster Art aus dem Weg räumt.“ Nicht zuletzt aufgrund seiner unterschiedlichen Funktionen im Laufe der Jahre und verschiedenen Perspektiven ist Stroppe von der Bedeutung der politischen Nachwuchsverbände überzeugt: „Mein Herz schlägt weiter für die parteinahen Jugendverbände. Sie sind das Salz in der Suppe der Parteien - manchmal zu viel, und dann wieder zu wenig. Ihr Einsatz ist unerlässlich für unsere Demokratie. Und das Mitmachen prägt das ganze spätere Leben.“

Über Lutz Stroppe:

Geboren 1956 in Wolfenbüttel, verheiratet, zwei Töchter. 1976 Abitur in Braunschweig, Wehrdienst, 1977/83 Studium Geschichte, Politik und Geographie in Braunschweig und Mainz, 1985 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. 1985/86 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS) in St. Augustin, 1986/91 Leiter des KAS-Bildungswerkes Mainz, 1991/99 Leiter des KAS-Bildungswerkes Berlin. 1999/06 Bundeskanzleramt: stellv. Leiter des Büros von Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl, ab 2001 Leiter des Büros. 2006/10 Bereichsleiter "Politische Programme und Analysen" in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, 2010/12 Leiter der Abteilung „Kinder und Jugend“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit Juli 2012 Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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