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Im Gespräch mit ENTSCHEIDUNG steht Ministerpräsident a.D. Dr. Edmund Stoiber Rede und Antwort zu den Kernthesen seiner soeben veröffentlichten Autobiographie.

Herr Dr. Stoiber, Sie haben eine politische Autobiographie vorgelegt. Welche Rolle hat die JU in Ihrem politischen Leben gespielt?

Eine überragende. Ich beschreibe ja, wie ich etwas unbedarft als neues Mitglied zu meiner ersten JU-Kreisversammlung in Wolfratshausen gegangen bin und diese als stellvertretender Vorsitzender wieder verlassen habe. In dieser Eigenschaft habe ich dann auch Franz Josef Strauß persönlich kennengelernt und mit ihm diskutiert. Das blieb bekanntlich nicht ohne Folgen…Später, als Ministerpräsident, Parteichef und Kanzlerkandidat, hat mich die Junge Union immer ganz besonders leidenschaftlich unterstützt. Das gilt für das Ringen um Generationengerechtigkeit, um Innovationen und Reformen genauso wie für die Verteidigung unserer bürgerlichen Werte.

Sie werden älter und haben damit etwas gemein mit der deutschen Bevölkerung: Kann Politik den demografischen Wandel gestalten, oder sind wir letzten Endes zum Verwalten verdammt?

Die Politik muss auf den demografischen Wandel reagieren! Zunächst einmal wäre ich schon froh, wenn sich die politischen Akteure in Deutschland darauf verständigen könnten, dass jede Form der Kindererziehung und Betreuung gesellschaftliche Anerkennung verdient. Wie aus ideologischen Gründen Eltern diffamiert und beleidigt werden, die sich eine berufliche Auszeit für ihre kleinen Kinder nehmen, ist absolut unerträglich. Ich halte viel von Krippenangeboten, aber ich halte nichts von einer Krippenpflicht für die Kleinsten. Außerdem: Die logische Folge der demografischen Entwicklung ist ein späterer Renteneintritt – als Bundesminister in der großen Koalition hatten dies sogar Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel erkannt und damals die Rente mit 67 mitverantwortet. Wir dürfen den weniger werdenden jungen Leuten nicht mehr auf die Schultern packen, als sie tragen können. Gerade auch aus diesem Grund ist die Einhaltung der Schuldenbremse absolut zwingend und ebenfalls eine entscheidende Reaktion auf die demografischen Wandel.

Ihr Buch schaut nicht nur nach hinten, sondern auch nach vorne. Was sind die zentralen Zukunftsfragen, auf die sich die politische Jugend konzentrieren muss?

Der Kampf gegen die Schuldenmentalität, der demografische Wandel, die digitale Revolution und die Energiewende in Deutschland, aber auch die Zukunft Europas und der Demokratie – die politische Jugend muss sich in all diesen großen Zukunftsfragen engagieren und deutlich zu Wort melden. Doch eine Herausforderung möchte ich für die Junge Union ganz besonders hervorheben: Fortschritt und Innovationen haben in unserem Land nicht den Stellenwert, den sie haben müssen. Gerade die in die Jahre gekommenen sogenannten Wutbürger möchten oft keinen Aufbruch in die Zukunft mehr, sondern lieber ihre Ruhe. Aber wenn wir zum Beispiel für eine gute Infrastruktur nichts mehr tun, dann wird die junge Generation den Preis dafür bezahlen. Das Wohlfühlen heute sichert eben nicht den Wohlstand von morgen.

Manche Ihrer Parteifreunde reden und schreiben von einem unabhängigen Bayern: Wo steht Ihrer Meinung nach der Freistaat in zehn Jahren? Und wo steht dann Europa?

Bayern blickt im Gegensatz zu anderen Bundesländern auf eine weit über tausendjährige eigene Staatlichkeit zurück. Das hat sich in die bayerische Mentalität eingebrannt und das spiegelt sich auch in der Politik der CSU – unsere politischen Mitbewerber im Freistaat haben das Gott sei Dank nie verstanden. Aber unser Credo seit Franz Josef Strauß ist völlig klar: Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland und Europa unsere Zukunft. Aufgrund der einmalig soliden Finanzen sowie der Bereitschaft zu Reformen und Innovationen wird Bayern auch in zehn Jahren ein starker Teil Deutschlands und eine der erfolgreichsten Regionen Europas sein. Europa insgesamt muss sich nach der Decke strecken, angesichts der Schuldenlast und des demografischen Rückgangs. Andere, neue Global Player sind dynamischer und jünger. Aber wenn die Europäer aus ihren Fehlern lernen und sich auf ihr kreatives Potenzial konzentrieren, dann blicke ich trotz allem optimistisch in Zukunft.

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