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Acht Jahre lang war Marco Wanderwitz Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und kämpfte für das Thema Generationengerechtigkeit.

„Meine Generation war die letzte, die noch bewusst die ehemalige DDR miterlebt hat“, sagt Marco Wanderwitz (38), wenn er an den Herbst 1989 denkt, in dem er 14 Jahre alt wurde. „Ich habe als Schüler beispielsweise noch ein Jahr lang den ‚Staatsbürgerkunde‘-Unterricht miterlebt, was im Rückblick eine wichtige Erfahrung war.“ Sein christlich geprägtes Elternhaus sei von einer grundsätzlichen Distanz zum SED-Staat geprägt gewesen: „Mein Großvater war selbstständig, wir hatten Kontakt zur Westverwandtschaft und sahen bayerisches Fernsehen. Meine Mutter hatte in den 1960er Jahren die Teilnahme an der Jugendweihe verweigert und wurde deshalb von der höheren Schulbildung ausgeschlossen.“ Vor derselben Grundsatzentscheidung stand 1989 auch ihr 14-jähriger Sohn, in dessen Geburtsurkunde „Karl-Marx-Stadt“ steht - nicht ahnend, dass der Fall der Mauer die Antwort geben würde. „Wer heute sagt, das Ende der DDR sei absehbar gewesen, liegt falsch“, so Wanderwitz, „wir dachten damals, dass eher die Sowjets wieder eingreifen würden, als dass die Mauer fiele.“ Nach den großen Demonstrationen in Leipzig fand im Oktober 1989 auch Demonstrationen vor der örtlichen Stasi-Zentrale von Wanderwitz‘ sächsischer Heimatstadt Hohenstein-Ernstthal statt, an der er mit seinen Eltern teilnahm. Wenige Wochen später, am Morgen des 10. November 1989, fuhr Marco Wanderwitz nicht zur Schule, sondern mit seinen Eltern über einen geöffneten Grenzübergang ins benachbarte Bayern.

„Meine Freunde und ich erlebten diese Monate ganz bewusst - und im Frühjahr 1990 gründeten wir bei mir zuhause unseren JU-Kreisverband“, so Wanderwitz, der sich davor zunächst die politischen Aktivitäten des Neuen Forums angesehen hatte. „Vorrangiges Thema war für uns in der Jungen Union anfangs nicht die Freiheit, sondern die Umwelt - denn die war zerstört: Als Kinder waren wir wegen der schlechten Luft ständig krank gewesen und der Bach im Dorf hatte jeden Tag eine andere Farbe.“ In den folgenden Wahlkämpfen war Wanderwitz mit seinen JU-Freunden aktiv - motiviert durch die Deutsche Einheit am 3. Oktober 1990. „Dennoch gab es auch Rückschläge“, blickt er zurück. „Der Niedergang der Industrie verursachte eine massive Arbeitslosigkeit – die Generation meiner Eltern musste in ihren Erwerbsbiographien einen hohen Preis zahlen.“ Daher sei es ein Geschenk für das neue Bundesland Sachsen gewesen, dass Kurt Biedenkopf Ende 1990 erster Ministerpräsident geworden sei: „Er hat die Bürger bei ihrem Stolz gepackt und dafür gesorgt, dass der Freistaat heute so gut da steht.“

Wanderwitz‘ Abiturjahrgang war 1994 der erste seines Gymnasiums, der nach dem bundesdeutschen Punktesystem bewertet wurde. Nach dem Wehrdienst studierte er Jura und wurde Kreisvorsitzender der Jungen Union, bevor er 1999 zum Vizechef seines CDU-Kreisverbandes gewählt wurde. Als im Vorfeld der Bundestagswahl 2002 ein neuer Direktkandidat für den als eher unsicher geltenden Bundestagswahlkreis gesucht wurde, warf er seinen Hut in den Ring und schaffte im September den Sprung nach Berlin - als einer der jüngsten Bundestagsabgeordneten. Zeitgleich absolvierte er den mündlichen Teil seines zweiten Jura-Examens: „Ich bin gottfroh, dass zwei so wichtige Schritte parallel geklappt haben.“ In der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurde er neben Julia Klöckner und Georg Fahrenschon Stellvertreter des neuen Vorsitzenden Günter Krings, den er nach der Bundestagwahl 2005 im Amt beerbte.

Zugleich gelangte die Union zurück in die Regierungsverantwortung. „Es ist ein großer Unterschied, ob man die Junge Gruppe zu Oppositions- oder zu Regierungszeiten leitet“, so Wanderwitz. „Teil einer regierungstragenden Fraktion zu sein, das geht ein Stück zu Lasten der Rolle eines Stachels im Fleisch.“ Dennoch habe man in den vergangenen acht Jahren viel erreichen und begleiten können. Er nennt das Thema Haushaltskonsolidierung, die Verankerung der Schuldenbremse im Grundgesetz, die Generationengerechtigkeit – und er denkt an die Besuche des damaligen Bundesarbeitsministers Franz Müntefering bei der Jungen Gruppe, als es um die Einführung der Rente ab 67 ging. „Aber an anderen Stellen hätte ich mir mehr gewünscht: Das Thema Zukunft der Pflege ist nach wie vor eine große Baustelle.“ Wanderwitz erinnert sich an gelegentliche „Aufstände“ junger Abgeordneter. „Im politischen Alltag ist die Zusammenarbeit mit Fraktionschef Volker Kauder jedoch hervorragend, da er die jungen Abgeordneten frühzeitig nach ihrer Meinung fragt.“ Nach der Bundestagwahl 2009 wurde Wanderwitz als Vorsitzender der Jungen Gruppe wiedergewählt und zugleich Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss für Kultur und Medien. Bei diesem Themenfeld fasziniert ihn die Breite von Erinnerungsarbeit über Breitenkultur bis hin zu den Digitalen Medien – und er hat ein besonderes Anliegen: „Wir müssen die Medienkompetenz von jungen Leuten, Lehrern und Eltern in den kommenden Jahren weiter stärken.“

Über den politischen Alltag hinaus beschäftigen Wanderwitz grundsätzliche Gedanken: „Ein wichtiger Teil meiner politischen Motivation ist meine Familie. Ich halte mir immer wieder vor Augen, wie mich meine drei Kinder in zwanzig Jahren fragen werden, warum ich heute bei wichtigen Entscheidungen so und nicht anders abgestimmt habe.“ Sein Familienleben ist ihm wichtig, so dass er politische Termine an Sonntagen kategorisch vermeidet. „Das hat den Preis, dass gewisse Runden ohne mich tagen, aber ich möchte für meine Kinder in ihrer prägenden Phase auch da sein.“ Einmal im Jahr versucht Wanderwitz, sich Zeit nur für sich zu nehmen. Dann wandert er tagelang alleine und schaffte es bereits „einmal am Stück“ von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. „Als Ausgleich zur Alltagshektik kommt man dabei auf sehr grundsätzliche Gedanken, man spiegelt und bewertet.“ Von der Gelassenheit, die er nach solchen Auszeiten verspürt, möchte er möglichst viel in die neue Legislaturperiode mitnehmen.

Nach dem Ausscheiden aus der Jungen Union steht nun das aus der Jungen Gruppe an - ein wenig Wehmut ist bei Marco Wanderwitz da, aber vor allem viel Verbundenheit mit den „neuen Jungen“.

Über Marco Wanderwitz

Geboren am 10. Oktober 1975 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), evangelisch-lutherisch, verheiratet, drei Kinder. 1994 Abitur, 1994/95 Wehrdienst, 1995/00 Jurastudium, 2000 1. jur. Staatsexamen, 2002 2. jur. Staatsexamen, Zulassung zum Rechtsanwalt. 1990 Eintritt in die Junge Union, seit 1998 Mitglied der CDU, 1999/12 stellv. CDU-Kreisvorsitzender, seit 2012 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Zwickau. Seit 2004 Stadtrat der Stadt Hohenstein-Ernstthal, seit 2009 Kreisrat des Landkreises Zwickau. Seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, seit 2005 Vorsitzender der Jungen Gruppe und Mitglied im Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, seit 2009 Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss für Kultur und Medien.

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