Seit 1989 arbeitet Dr. Klaus Schüler im Konrad-Adenauer-Haus; seit zehn Jahren ist er Bundesgeschäftsführer der CDU. Fotos und gerahmte Zeitungsausschnitte an den Wänden seines Büros dokumentieren seine Arbeit und die Wahlerfolge der Union. Dazwischen hängen auch Bilder, die ihn im Kreis internationaler Kollegen zeigen – denn Schüler ist seit 2009 auch Vorsitzender des ständigen Ausschusses für Wahlkampfmanager der International Democrat Union, einem weltweiten Zusammenschluss konservativer und christdemokratischer Parteien, also in jeder Hinsicht der perfekte Partner für ein Gespräch über Wahlkämpfe im Allgemeinen und die Bundestagswahl im Besonderen.

Von Moritz Mihm

Herr Dr. Schüler, als Bundesgeschäftsführer sind Sie der Maschinist des Tankers CDU, mit Angela Merkel als Kapitän und Peter Tauber als Steuermann. Wie genau hält man das Schiff CDU im Wahlkampf unter Volldampf?

Tja, ohne Maschine fährt nun mal kein Schiff. Und ohne eine umsichtig geplante, sorgfältig aus vielen Teilchen und Rädchen zusammengesetzte und dann auch effizient zusammenwirkende und laufende Kampagnen-Maschine lässt sich auch kein erfolgreicher Wahlkampf führen. Franz Müntefering hat mal gesagt: „Politik ist Organisation“. Ich würde sagen: Organisation ist nicht alles, aber ohne Organisation ist alles nichts.

Gerade in der Union, die unter den Parteien eine Sonderrolle hat, findet ja eine ganze Menge Reibung statt, zwischen CDU, CSU, den Vereinigungen, zu denen auch die Junge Union gehört. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit?

Reibung um der Reibung willen ist schlecht und schwächt uns. Reibung mit dem Ziel konstruktiver Lösungen, die einen fairen und vernünftigen Ausgleich darstellen, ist gut und macht einen erheblichen Teil der Stärke der Union aus. Unsere Partei funktioniert ja nicht nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam, sondern indem wir miteinander diskutieren, durchaus auch mal kontrovers, aus unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen – dafür stehen ja nicht zuletzt auch die Vereinigungen innerhalb unserer Union –, aber in dem Bemühen, daraus gemeinsame Antworten zu entwickeln, die unserer Rolle und unserem Verständnis als Volkspartei der Mitte mit Führungs- und Gestaltungsanspruch in Deutschland und für Deutschland gerecht werden. Und wenn wir diese gemeinsamen Antworten dann als Union auch gemeinsam und geschlossen nach außen vertreten, dann gewinnen wir auch Wahlen. Ich bin da zuversichtlich. Dabei zähle ich ganz besonders auch auf die Junge Union. Die JU war schon immer eine sichere Bank, wenn es um Mobilisierung und Wahlkämpfe ging, aber ich bin sehr froh und dankbar, wie eng und wie erfolgreich in diesem Jahr die Zusammenarbeit läuft, Stichwort: connect17.

Welche Rolle spielt connect17 in der Wahlkampfplanung?

Wie gesagt: Eine gute Kampagnen-Maschine besteht aus vielen Teilchen und Rädchen. Aber connect17 gehört ganz sicher von der strategischen wie von der operativen Planung und Anlage unseres Wahlkampfes her zu den sehr wichtigen Elementen. Und nach den Landtagswahlen des Frühjahrs kann man – zumindest als Zwischenfazit – feststellen: Es gehört auch zu den sehr erfolgreichen Elementen. Connect17 läuft hervorragend und hat alle Zwischenziele, die wir uns auf dem Weg zur Bundestagswahl gesetzt haben, schon jetzt deutlich übertroffen. Das ist ganz wesentlich das Verdienst der Jungen Union, die sich dieses Projekt nicht nur zu eigen gemacht, sondern es auch mit viel Energie und hoher Motivation vorangetrieben hat. Namentlich Paul Ziemiak, der vor mehr als einem Jahr, als wir darüber sprachen, die mutige und weitsichtige Entscheidung getroffen hat, connect17 zum „Ding“ der JU unter dem Dach des CDU-Wahlkampfes zu machen, und Conrad Clemens, der folgerichtig das Projektmanagement übernommen hat und im Konrad-Adenauer-Haus zum „Gesicht“ des Projektes geworden ist. Klar: Die eigentliche Bewährungsprobe, die entscheidende Phase des Bundestagswahlkampfes, steht noch bevor. Aber die Truppe hat mein und unser Vertrauen mehr als gerechtfertigt, ist bis unter die Haarspitzen motiviert. Wir wollen aus connect17 einen Schlüsselfaktor für den Wahlsieg machen, und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch schaffen werden.

Die Kanzlerin hat es bei ihrer Nominierung angekündigt: Dieser Wahlkampf wird anders, härter als die letzten. Wie unterscheidet sich dieser Bundestagswahlkampf von den vorherigen?

Jeder Wahlkampf ist ein Unikat. Jeder Wahlkampf bedarf deshalb auch „seines“ speziellen, der jeweiligen Lage und den jeweiligen Erfordernissen entsprechenden strategischen und operativen Ansatzes. Wir haben uns schon sehr früh dazu entschieden, diesen Wahlkampf so zu organisieren, dass unsere Kampagne auf zwei starken Beinen stehen kann. Das eine Bein ist die zentral gesteuerte, wesentlich massenmedial – und zwar über die klassischen traditionellen wie über die neuen Medien, analog wie digital – vermittelte Kampagne hier aus dem Headquater in Berlin. Das andere Bein, das genauso wichtig ist, ist eine dezentrale Dialogkampagne in den Wahlkreisen. Diese Kombination spielt die Stärken der Union aus: erfolgreiche Regierungspartei im Bund mit Angela Merkel an der Spitze, ebenso wie die breite Verankerung unserer Volkspartei vor Ort.

Was bedeutet das für die Wahlkämpfer?

Ein Wahlkampf kann nur erfolgreich sein, wenn er nah bei den Menschen ist. Aber was heißt „Nähe“, und wie stelle ich sie her? Da haben sich die Dinge doch erheblich gewandelt. Im anglo-amerikanischen Sprachraum heißt das schlagwortartig: „One size fits all“ war gestern, heute ist „taylor made“. Unsere Gesellschaft ist differenzierter, bunter, vielfältiger geworden, Menschen haben nicht nur unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse, sondern nutzen auch unterschiedliche Informations- und Kommunikationskanäle. Über technische Lösungen werden sie heute vielfach schon individuell angesprochen, über Massenmedien und Soziale Medien. Für uns als Volkspartei mit breitem Wählerspektrum bedeutet das, dass wir uns in unseren Anspracheformaten nicht verengen dürfen, sondern breit aufstellen müssen. Wir müssen in den traditionellen Medien präsent sein, wir müssen in den Sozialen Medien präsent sein. Aber wir müssen eben auch jede Möglichkeit nutzen, um mit dem Wähler direkt, von Angesicht zu Angesicht – „face to face“, wie das auch genannt wird – persönlich ins Gespräch zu kommen.

Sie sprechen vom Tür-zu-Tür-Wahlkampf.

Genau. Das direkte Gespräch ist die unmittelbarste, glaubwürdigste und wirksamste Form von Kommunikation. Es sagt im Übrigen auch viel über die Haltung, das Selbstverständnis einer Partei und ihrer Vertreter aus, wenn sie das direkte Gespräch mit dem Bürger sucht. Eine Volkspartei muss auch in ihren Aktions- und Kommunikationsweisen nah an den Menschen sein, mitten im Leben, offen und interessiert sein, zuhören können und dialogbereit sein. Und wir haben ein „Produkt“, ein Angebot, für das wir an den Haustüren im Gespräch mit den Bürgern selbstbewusst werben können: eine starke Leistungsbilanz, die richtigen Antworten für die vor uns liegenden Herausforderungen, und nicht zuletzt mit Angela Merkel ein personelles Angebot für die Führung dieses Landes, das viele Menschen überzeugt, weil sie der Kanzlerin mit ihrer Erfahrung und ihren Qualitäten, gerade angesichts unruhiger und unsicherer Zeiten vertrauen.

Wie bringt man diese Idee mit modernem Wahlkampf zusammen?

Für mich als Wahlkampfmanager ist nicht Modernität die erste und wichtigste Kategorie, sondern Erfolg. Und wie kommen Sie darauf, dass Tür-zu-Tür-Wahlkampf nicht modern sei? Wenn Sie sich in der Welt umsehen, werden Sie kaum einen Wahlkampf, jedenfalls keinen erfolgreichen, finden, in dem Tür-zu-Tür keine wichtige Rolle spielt. Wir haben das sehr früh und sehr genau analysiert, und haben dann unsere Rückschlüsse für den Aufbau einer entsprechenden organisatorischen Struktur gezogen. Mit der JU, ohne die wir das so nicht hinbekommen hätten. Und dass es funktioniert, haben unsere Landtagswahlkämpfe im Frühjahr eindrucksvoll gezeigt. Nochmal: Eine Bundestagswahlkampagne in Deutschland läuft natürlich ganz wesentlich über massenmedial vermittelte Kommunikation. Aber sie braucht meines Erachtens ein zweites Standbein, um Durchschlagskraft und Mobilisierung so zu steigern, dass wir am Ende als Sieger durchs Ziel gehen.

War das der Grund für die Wahlerfolge bei den Landtagswahlen? Die Kombination aus massenmedialer und direkter Ansprache?

Keine Frage, das hat in allen drei Landtagswahlen gut funktioniert. Aber: Organisation alleine gewinnt keine Wahlen. Der Schlüssel erfolgreicher Wahlkämpfe ist für mich das Zusammenwirken dessen, was ich das „magische Dreieck“ nenne: Strategie, Kommunikation, Organisation. Und die Ausgangslage war in allen drei Wahlkämpfen sehr unterschiedlich: Im Saarland waren wir Regierungspartei mit einer erfolgreichen und sehr populären Ministerpräsidentin an der Spitze, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen sind wir jeweils aus der Opposition angetreten, um einen Wechsel herbeizuführen, im Norden dann noch mit dem Umstand eines Wechsels unseres dortigen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten wenige Monate vor der Wahl. Unterschiedliche Ausgangslagen erfordern auch unterschiedliche Antworten für Strategie, Kommunikation und Organisation der Kampagnen. Die haben wir gemeinsam entwickelt, mit großer Konsequenz umgesetzt und geschlossen nach außen vertreten. Ein Schlüsselfaktor der Erfolge war ganz sicher auch die sehr enge, vertrauensvolle und reibungslose Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden und der Bundespartei. Diese Geschlossenheit der Union wünschen und erhoffen wir uns auch für die vor uns liegenden Monate. Dann ist mir für den 24. September nicht bange.

Dann wünschen wir Ihnen und uns einen erfolgreichen Wahlkampf und danken herzlich für das Gespräch, Herr Dr. Schüler.

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