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Im Bereich Mobilität und Verkehr wird Innovation greifbar. Das muss auch weiterhin so sein.

Erst kam der elektrische Fensterheber, dann der Airbag und schließlich vor ein paar Jahren das Head-up-Display. Gewiss, viele kleine Innovationen werden tagtäglich entwickelt, um das Autofahren bequemer, sicherer und umweltfreundlicher zu machen. Und dennoch: Eine große Revolution hat die Verkehrsbranche in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr erlebt – weder auf der Straße, noch auf der Schiene, in der Luft oder auf Wasser. Alles spricht dafür, dass auch in den nächsten Jahrzehnten lediglich an der Fortentwicklung der im 19. Jahrhundert erfundenen Verkehrsmittel gearbeitet wird. Oder wird doch ein ganz neues Verkehrsmittel die Welt erobern? Nein, heute spricht nichts für eine Revolution, wie es die Einführung von Autos und Eisenbahn zweifellos war.

In Deutschland jedenfalls wird das Auto noch für lange Zeit das Verkehrsmittel Nummer 1 sein. Der Deutsche ohne Auto? Für die meisten in unserem Land unvorstellbar. Doch die Liebe hat ihre Grenzen: Sechs von zehn Bundesbürgern sorgen sich wegen der immer weiter steigenden Kraftstoffpreise und der hohen Unterhaltskosten. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Explosion der Benzin- und Dieselpreise auf Dauer gestoppt werden kann. Ergo geht es darum, den Verbrauch signifikant zu senken bzw. alternative Formen zu stärken – natürlich nicht nur wegen der Kosten, sondern auch und vor allem aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes. Hybridantrieb, Brennstoffzellen, Biokraftstoffe oder rein batteriegetriebener Elektroantrieb sind die derzeit gehandelten Alternativen. Grundsätzlich stehen die Deutschen dem Elektroauto positiv gegenüber, immerhin drei von vier würden sich ein solches Auto kaufen. Jedoch nur, wenn bei Komfort, Reichweite, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit keine Abstriche gemacht werden müssten.

Allein wegen der hohen Anschaffungskosten kommt das E-Auto daher für den Großteil der Bevölkerung nicht in Betracht. Noch sind zu viele Fragen offen: Wie speichert man den Strom in den Autos? Welche Stromnetze braucht man? Wo kann man Strom tanken? Wie bezahlt man beim Aufladen? Geht es nach der Bundesregierung, sollen bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße sein. Ob dieses Ziel erreicht wird, darf bezweifelt werden. Dem Durchbruch der Elektromobilität steht immer noch der Mangel an leistungsfähigen Batterien gegenüber. Um den Energieinhalt eines 46-Liter-Diesel-Tanks in einer Batterie zu speichern, müsste diese mehr als eine Tonne wiegen. Batterien sind zu schwer und für die allermeisten Nutzer schlicht zu teuer.

Selbst wenn das ehrgeizige Ziel von einer Million E-Autos erreicht würde, auch dann würden immer noch neun von zehn Autos mit Benzin oder Diesel betrieben. Und auch Autogas- und Erdgasfahrzeuge, ebenso Hybridfahrzeuge stellen derzeit keine Alternative dar. Sicher ist, dass sich das Nutzungsverhalten rapide verändern wird: Vor allem in Ballungsräumen wird Car-Sharing einen immer größeren Anteil einnehmen. Der Trend der vergangenen Jahre hin zu kleineren, verbrauchsarmen Autos wird weiter zunehmen. Besonders die Automobilhersteller in Deutschland stehen unter Zugzwang, technische Innovationen voranzutreiben und auf die sich verändernden Bedürfnisse der Kunden einzustellen. Auch die großen Marken wie BMW, Audi und Mercedes reagieren seit Jahren mit immer kleineren Modellen auf den volatilen Markt.

In den großen Städten wird der Stellenwert des Öffentlichen Personennahverkehrs weiter zunehmen. Dies ist nur sinnvoll, um die überlasteten Straßennetze zu entlasten. Auch umweltpolitisch ist es geboten, so viele Menschen wie möglich zum „Umsteigen“ zu bewegen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine deutliche Steigerung der Attraktivität des ÖPNV. Pünktlichkeit und Fahrtgastinformation müssen verbessert, die Tarifsysteme verständlicher gestaltet werden und der papierlose Ticketkauf per Smartphone eine Selbstverständlichkeit sein. Hinsichtlich der Barrierefreiheit für Familien mit Kinderwagen sowie mobilitätseingeschränkte Menschen besteht weiterhin hoher Handlungsbedarf. Zudem müssen ÖPNV und Autoverkehr noch besser vernetzt werden, etwa mit dem Ausbau von kostenfreien Park-and-Ride-Anlagen. Dass die meisten Haltestellen und Bahnhöfe den Charme vergangener Zeiten versprühen und kein Aushängeschild in Sachen Sauberkeit sind, soll hier nur eine kurze Erwähnung finden, aber nicht ganz unter den Teppich fallen…

Stichwort Innovation: Im Öffentlichen Personennahverkehr könnte die „Auto Tram“ für Furore sorgen, die derzeit entwickelt wird. Sie ist so lang wie eine Straßenbahn und so wendig wie ein Bus. Schienen und Oberleitungen sind nicht notwendig – die „Bus-Bahn“ rollt auf Gummireifen und folgt weißen Linien auf der Straße. Sie arbeitet mit extrem schnell beladbaren Stromspreichern und kann alle paar Haltestellen Strom zapfen. Noch steckt diese Technologie in den Kinderschuhen – aber sie ist vielversprechend.

Autor:
Thomas Breitenfellner, 30 Jahre alt, ist Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Union Deutschlands und Sprecher für Verkehr, Infrastruktur und Landesentwicklung. Er ist Chefredakteur der Mitgliederzeitung der Jungen Union Bayern (BaJUware).

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