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Start in der Anti-Anti-Bewegung

Als 21-Jähriger in einer ländlichen Region als aussichtsreicher CDU-Direktkandidat für den Deutschen Bundestag aufgestellt zu werden, ist ein ziemliches Kunststück - und zugleich ein erster Beweis für Strategiefähigkeit. Noch vier Jahre zuvor, im Sommer 1997, war der damals 17-jährige Jens Spahn begeistert mit dem JU-Kreisverband Borken (Münsterland) nach Berlin gereist und war zwischen Reichstagsgebäude und Loveparade gependelt - nicht ahnend, dass er bald darauf für viele Jahre einen Abgeordnetensitz unter der Kuppel erhalten würde.

Auslöser für die rasante Entwicklung waren Lehrer des Ahauser Gymnasiums, die Spahn und seine Mitschüler immer wieder fragten, warum sie am Vortag nicht bei der Anti-Atom-Demonstration gewesen seien. Durch das Brennelement-Zwischenlager Ahaus war das Thema in der Region besonders präsent - vor allem im Zuge von Castor-Transporten kam es immer wieder zu Protestkundgebungen. „Da haben wir gesagt: Die wollen uns in eine Ecke drängen - aber darüber entscheiden wir alleine“, so Spahn über sein politisches Erweckungserlebnis. „So wurden wir zur Anti-Anti-Bewegung.“ Erste Organisationserfahrung hatte er bereits in der katholischen Jugendarbeit gesammelt, nun belebte er den heimischen JU-Stadtverband wieder und wurde 1999 in den Stadtrat gewählt. Die CDU holte über 58 Prozent der Stimmen, der JU-Kreisverband Borken ist der mitgliederstärkste im gesamten Bundesgebiet. Spahn stammt aus einem 3.700-Seelen-Ort: „In der Dorfgemeinschaft kennen sich alle, fast das ganze Dorf hat mich erzogen.“ Kinderprinz im Karneval, Messdiener, Katholische Junge Gemeinde, Kreisvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Schützenfeste -„alles rund um die Kirche herum.“ Dennoch fragten seine Eltern, ob er sich das wirklich antun wolle - jeden zweiten Abend zur Jungen Union, die ihn 1999 zu ihrem Kreisvorsitzenden wählte. Er wollte. Unmittelbar nach dem Abschluss seiner Bankausbildung dann „eine einmalige Chance“: Im Vorfeld der Bundestagswahl 2002 wurde ein neuer Bundestagswahlkreis gebildet. „Ich hatte ja nichts zu verlieren“, so Spahn, „also habe ich meinen Hut in den Ring geworfen.“ Zunächst setzte er sich im eigenen Kreisverband gegen mehrere Mitbewerber durch, dann gegen einen mehr als doppelt so alten Konkurrenten in der Wahlkreisvertreterversammlung. „Einer meiner Sätze lautete damals immer: Wenn mein Alter ein Problem ist, dann ist es zumindest eines, das jeden Tag kleiner wird.“ Im September 2002 gewann er das Direktmandat im Wahlkreis Steinfurt I – Borken I, das er seither stets verteidigte.

„Der erste Sitzungstag in Berlin war für mich wie der erste Schultag“, erinnert sich Spahn, der sich in den folgenden Jahren immer stärker auf die Gesundheitspolitik spezialisierte - „aus meiner Sicht mit Abstand das spannendste Themenfeld, um etwas zu bewegen.“ Vor allem sei von dieser Politik der Alltag der Menschen besonders betroffen, von Wartezeiten auf Arzttermine bis hin zu Organspenden. Aus der Sicht von Spahn dürfen sich gesundheitspolitische Debatten nicht nur um finanzielle Aspekte drehen, sondern müssen stärker auf die Sorgen der Bürger eingehen - etwa den Ärztemangel im ländlichen Raum. „Wenn ich beim Deutschen Ärztetag oder bei anderen Anlässen gesprochen habe, war ich jahrelang der Jüngste“, so Spahn, der seit drei Jahren gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion ist. „Jung sein an sich ist kein Qualitätsmerkmal, aber die sich daraus ergebende Aufmerksamkeit lässt sich nutzen.“ Dabei durchlaufe man eine Entwicklung: „Man muss vieles im trial-and-error-Verfahren ausprobieren und sich gelegentlich auch wundern, mit welchen Themen man medial durchdringt.“ Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte Spahn auch in privater Hinsicht, als er unlängst in der Presse über seine Homosexualität sprach. Er fordert eine noch stärkere Öffnung der Union: „Wir brauchen mehr Gelassenheit und Neugierde statt Debatten mit Schaum vor dem Mund. Die CDU wird bei manchem in der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen.“ Als positives Beispiel für den Umgang mit neuen Zielgruppen nennt er die Offenheit von Netz-Politikern wie Thomas Jarzombek und Peter Tauber. „Auch was Peter Altmaier im Umgang mit den Piraten geleistet hat, war Gold wert: Kommunikation und inhaltliche Abgrenzung statt Konfrontation.“

Anfang Dezember wurde Spahn beim CDU-Parteitag in Hannover in den Bundesvorstand der Partei gewählt. Es geht weiter aufwärts für den 32-Jährigen, der sich jedoch ebenso bemüht, sein heimisches Kreistagsmandat „so lange wie möglich“ zu behalten. Das geliebte Motorradfahren hingegen hat Spahn aus zeitlichen Gründen aufgegeben - es geht eben nicht immer alles gleichzeitig: „Da ist es mir wichtiger, den Kontakt zu alten Freunden zu pflegen.“

Zu Jens Spahn MdB
Geboren am 16. Mai 1980 in Ahaus, katholisch, ledig. 1999 Abitur, 1999/01 Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Westdeutschen Landesbank, 2001/02 Angestellter einer Immobilienbank in Münster. Ab 2003 Studium der Politikwissenschaft, 2008 Bachelor of Arts. 1995 Eintritt in die Junge Union, 1997 in die CDU, 1999/06 Kreisvorsitzender JU Borken, 1999 Wahl in den Rat der Stadt Ahaus, seit 2005 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Borken, seit 2009 Mitglied des Kreistages des Kreises Borken. Seit 2002 Mitglied des Bundestages, 2005/09 Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Gesundheit, seit 2009 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit. 2012 Wahl in den Bundesvorstand der CDU.

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