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„Wie sie wurden, was sie sind“ – das war das ungeschriebene Motto der Serie „Wege in die Politik“, in der Georg Milde für die ENTSCHEIDUNG insgesamt 75 politische Köpfe porträtiert hat und die nun als Buch erschienen ist. Entstanden ist über 15 Jahre hinweg eine eindrucksvolle Sammlung von Lebensläufen unterschiedlicher Generationen, in denen sich auch die Entwicklung Deutschlands von den Aufbaujahren der Nachkriegszeit über die Wiedervereinigung bis in die Gegenwart widerspiegelt. Dass jede Zeit ihre ganz eigenen Herausforderungen, aber auch Lösungsansätze und politischen Diskurse hat, zeigt sich an der Bandbreite der Persönlichkeiten, deren Geburtsjahrgänge von 1925 (Prof. Ernst Benda und Pater Basilius Streithofen) bis 1980 (Jens Spahn) reichen. Es ist aus JU-Sicht die Generation Adenauer bis zur zu jenen, die in Zukunft Verantwortung für das Land tragen werden.

Georg Milde, früherer JU-Bundesgeschäftsführer und heute Herausgeber des Magazins „politik&kommunikation“, schreibt im Vorwort, dass bei der Personenauswahl „bewusst auf die allererste Reihe der Spitzenpolitiker verzichtet wurde: Merkel, Schäuble, Lammert – von ihnen existieren unzählige Porträts und Beschreibungen bis hin zu den Nuancen. Spannender erschienen die Reihen dahinter, vor allem jene, die weniger im Rampenlicht stehen.“ Dies ist ihm bestens gelungen – zumal in der ENTSCHEIDUNG ja die anderen Spitzenpolitiker auch nicht zu kurz kamen, mag man anmerken.

Beim Blick auf die Porträtierten finden sich viele illustre Namen aus Bund und Ländern – angefangen vom bereits genannten Ernst Benda, früherer Präsident des Bundesverfassungsgerichts, über Ministerpräsidenten wie Günther Oettinger oder Stanislaw Tillich, bis hin zu den klassischen Strippenziehern in Parlament, Regierung oder politiknahen Institutionen wie Peter Radunski, Willi Hausmann, Peter Hintze, Gerda Hasselfeldt oder auch Ex-KAS-Generalsekretär Wilhelm Staudacher. Abgesehen von früheren Bundesministern mit einschlägiger JU-Vergangenheit wie Theo Waigel oder Franz Josef Jung ist auch ein Großteil des aktuellen Kabinetts wie Johanna Wanka, Peter Altmaier, Thomas de Maizière, Hermann Gröhe, Christian Schmidt und Alexander Dobrindt versammelt.

Das Buch gewinnt durch Mildes Geschick, fast ohne Ausnahme interessante Persönlichkeit ausgewählt und ihre Werdegänge sehr anschaulich dargestellt zu haben. Zum Zeitpunkt des Porträts hatten (und haben) viele ihren politischen Zenit noch vor sich, andere konnten ihn quasi nie erreichen und sind – zu Recht oder zu Unrecht – schnell wieder in Vergessenheit geraten. Politik kann ein schnelllebiges Geschäft sein, vor allem ist die „Fallhöhe“ sehr hoch. Wie vergänglich selbst große Wahlerfolge bringt etwa der frühere Berliner Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen auf den Punkt: „Wer eine Wahl gewinnt, freut sich wenige Minuten – und ab dann richtet sich sofort alles auf neue Herausforderungen.“ Nahezu jeder der Befragten kann daher auch von Rückschlägen berichten. In der Rückschau überwiegen gleichwohl die positiven Erfahrungen: Wie organisiert man Mehrheiten? Wie setze ich mich für meine Projekte ein? Wer waren meine Mentoren und Ratgeber? Immer wieder klingt durch, dass zahlreiche Freundschaften, die damals geschlossen wurden, alle politischen Widrigkeiten überdauern können. Eine schöne Ermunterung, sich frühzeitig politisch zu engagieren. Zumal die allermeisten ihre Laufbahn in einem JU-Ortsverband begonnen haben. Dass diese Karriere nicht zwingend ins Rampenlicht der Politik führen muss, sondern auch die „Macher hinter den Kulissen“ hoch spannendes erlebt haben und bewegen können, ist eine weitere, durchaus lohnende Erkenntnis. Wer also mehr über politische Lebenswege erfahren will, kommt an diesem mit großer Sorgfalt geschriebenen Buch nicht vorbei.


Georg Milde: Wege in die Politik: 75 Porträts von der Kriegsjugend bis zur Generation Internet. B&S Siebenhaar Verlag, 19,80 Euro. ISBN 978-3-943132-46-5.

Autor:
Dr. Stefan Ewert, von 2006 bis 2011 Chefredakteur der ENTSCHEIDUNG, zuvor ab 2003 CvD, arbeitet im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

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