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In der ENTSCHEIDUNG schildern sechs Jungpolitiker der Union aus Landtag, Bundestag und Europaparlament ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf - und Politik. Teil I der zweiteiligen Serie mit Sven Schulze MdEP, Vincent Kokert MdL und Nina Warken MdB

Sven Schulze MdEP

Seit Mai 2014 bin ich durch die Wahl in das Europäische Parlament ein sogenanter „Berufspolitiker“. Als Vater von drei kleinen Kindern stehe ich natürlich auch permanent vor der Herausvorderung, Famile und Beruf miteinander zu vereinbaren. Aus meiner Sicht ist dies bei über 40 Sitzungswochen in Brüssel und Straßburg, der Betreuung des 2 Millionen Einwohner großen Wahlkreises Sachsen-Anhalt, Delegationsreisen in Länder außerhalb Europas und aktiver Mitarbeit in diversen Gremien der CDU nur schwer möglich.

Als junger Abgeordneter muss man sich in viele Dinge oft noch intensiver einarbeiten, als Kollegen mit 20 Jahren Parlamentserfahrung. Das kostet zusätzlich Zeit. Ich habe das Glück, dass meine Frau, die sich im Moment in Elternzeit befindet, sehr viel Verständnis für meine Arbeit aufbringt und mich hervorragend unterstützt. Somit ist es uns in der Vergangenheit überwiegend gelungen die Familie nicht zu kurz kommen zu lassen. Zu Beginn meiner Amtszeit haben mir viele Kollegen Tipps gegeben, wie man Abgeordnetentätigkeit und Famile irgendwie miteinander verbinden kann. Das war sicherlich hilfreich, am Ende muss man aber selber seinen Weg finden. Für uns bedeutet es beispielsweise, dass mich meine Frau mit meinen beiden jüngsten Kindern, die noch nicht schulpflichtig sind, in Brüsselwochen nach Belgien begleitet. Das ist für uns die bessere Lösung als Woche für Woche getrennt voneinander zu leben. Ich selbst musste zudem auch erst lernen, wichtige Termine von weniger wichtigen zu unterscheiden und bei manchen Terminanfragen auch mal nein zu sagen. Genauso wichtig ist es, bei der wenigen gemeinsamen Zeit mit seiner Familie, vor allem aber im Urlaub, das Handy mal aus zu lassen. In dem Punkt muss ich mich noch etwas verbessern. Ich bin mit meinen noch sehr jungen Kindern im Europaparlament eher die Ausnahme unter den Abgeordneten. Trotzdem würde ich sagen, dass es mit einigen Abstrichen und viel Planung möglich ist, auch als Abgeordneter ein einigermaßen geregeltes Familienleben zu haben.

Vincent Kokert MdL

„Als Vater von vier Kindern bekomme ich diese Frage häufig gestellt. Wenn es im politischen Alltag um die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, weiß ich wovon ich rede. Das finde ich wichtig, über manche Forderung kann ich deshalb nur den Kopf schütteln. Es klappt nur, wenn die Familie an einem Strang zieht und man auch bereit ist, Abstriche zu machen.

Unser ältester Sohn wurde vor 14 Jahren, wenige Monate vor meiner ersten Wahl in den Landtag, geboren, von daher bin ich es gewohnt, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen. Einen Fulltime-Job als Vorsitzender einer Regierungsfraktion kann man nur machen, wenn die Familie das unterstützt. Die Frage, ob ich dieses Amt übernehme, habe ich deshalb auch zuallererst mit meiner Frau besprochen. Für mich steht die Familie an erster Stelle und das wissen auch meine Kolleginnen und Kollegen in Partei und Fraktion. Meine Frau arbeitet als freiberufliche Hebamme, was bei vier Kindern sicherlich nicht in allen Regionen unseres Landes eine Selbstverständlichkeit ist. Ich finde das richtig und würde von meiner Frau nie verlangen, dass sie für meine politische Arbeit auf ihren Beruf verzichtet. Wir haben das große Glück, dass die Großeltern in der Nähe wohnen und uns tatkräftig unterstützen.

Außerhalb der Landtagswochen versuche ich, jeden Abend zu Hause zu sein. In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern, wo man manchmal zwei bis drei Stunden unterwegs ist, ist das oft nicht so einfach. Ich mache es trotzdem, weil es mir einfach wichtig ist. Viele Termine im Wahlkreis sind natürlich am Wochenende, manchmal kann ich dazu meine Familie mitnehmen. Die Sonntage sind in der Regel aber frei und gehören ganz der Familie. Auch im Urlaub sind Termine tabu. Dann bleibt das Handy aus und ich bin nur in Notfällen für meine engsten Mitarbeiter zu erreichen. Wir müssen auch darüber diskutieren, wie wir unsere Parteiveranstaltungen familienfreundlicher gestalten können. Es stellt sich wirklich die Frage, ob jede Sitzung sinnvoll ist und sie immer bis 22.00 Uhr gehen muss. Mütter und Väter von kleinen Kindern schreckt das eher ab.“

Nina Warken MdB

Ich bin ein politischer Mensch. Angefangen mit 19 als Neumitglied der Jungen Union, dann Kreisvorsitzende, stellvertretende Bundesvorsitzende – und nun im Stadtrat, Kreistag sowie seit 2013 im Deutschen Bundestag. Im Mittelpunkt stand von Beginn an meine Leidenschaft für Politik. Leidenschaft kommt aus dem Herzen, und deshalb habe ich nicht von vornherein über die Vereinbarkeit von Politik, Ausbildung, Familie und Beruf nachgedacht. Das dürfte vielen so gehen, unabhängig vom politischen Hauptamt im Parlament oder Ehrenamt an der Basis. Der Praxistest folgt dann unweigerlich - und man kann ihn meistern: Letztlich ist alles eine Frage der Planung.

Häufig werde ich als Mutter von zwei kleinen Söhnen gefragt: „Wie machst Du das?“ oder „Wie bekommst Du Beruf und Familie unter einen Hut?“ Meine Antwort lautet dann zumeist: Teamwork und Organisation. Trotz aller politischer Reformen gilt: Nur wenn die ganze Familie – bei uns in besonderer Weise auch meine Mutter – mithilft und alle Verständnis zeigen, kann die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und gesellschaftlichem Engagement gut funktionieren. Letztlich geht es uns Politikerinnen mit Kindern hier auch nicht anders als anderen berufstätigen Müttern. An dieser Stelle zeigt sich ein weiterhin bestehender Unterschied: Mir als Frau werden die oben genannten Fragen weitaus häufiger gestellt als meinem Ehemann, der als selbstständiger Rechtsanwalt arbeitet. Zudem weiß ich, dass ich viel privilegierter bin als etwa eine alleinerziehende Schichtarbeiterin, für die nicht nur flexible Kinderbetreuung ein Wunschtraum bleibt.

Was bedeutet Organisation konkret? Wenn ich in Sitzungswochen des Bundestages in Berlin bin, telefoniere und skype ich mehrmals am Tag mit meinen drei Männern. Auch freuen sich meine Söhne, wenn sie mich manchmal im Radio hören oder im Fernsehen sehen. Leider sind Besuche der Familie während der Sitzungswoche in Berlin viel zu selten machbar. In den sitzungsfreien Wochen versuche ich – trotz der zahlreichen Wahlkreistermine – so viel wie möglich von zu Hause aus zu arbeiten, damit wir Zeit miteinander verbringen können. Natürlich sind gerade jene Wahlkreistermine besonders schön, bei denen ich meine Jungs mitnehmen kann. Zeitaufwändige Auslandsreisen, die nicht unbedingt notwendig sind, versuche ich zu vermeiden. Für mich ist eines klar: Wenn ich daheim bin, dann hat die Familie oberste Priorität. Und da bitte ich gelegentlich auch gerne um Verständnis. Etwa wenn während eines wichtigen Telefonats mit dem Innenministerium mein Jüngster im Hintergrund lautstark nach seinem Bobbycar verlangt. Den vielleicht etwas fragenden Blick am anderen Ende des Hörers würde ich dann manchmal gerne sehen.

Und so lautet auch mein Wunsch an Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: mehr Selbstverständlichkeit, dass Kinder und damit verbundene Kompromisse zu unserem Leben dazugehören!

Teil II mit Steffen Bilger MdB, Florian Graf MdA, Katrin Albsteiger MdB

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