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Auch wenn der parlamentarische Betrieb noch nicht begonnen hat: Für die neuen Abgeordneten gibt es dennoch viel zu tun.

Wie ein mittelständisches Unternehmen

Auch wenn der parlamentarische Betrieb noch nicht begonnen hat: Für die neuen Abgeordneten gibt es dennoch viel zu tun.

Es war lange nicht klar, dass Christoph Ploß gewinnen würde. Selbst am Wahlabend lag er hinten und erst nach 20.30 Uhr, als die schwarzen Balken immer schneller stiegen, brach in der Hamburger CDU-Zentrale Jubelstimmung aus. Er, Ploß, hatte es geschafft. Im Alter von nur 32 Jahren würde als nächster direkt gewählte Abgeordneter für den Hamburger Norden im Deutschen Bundestag sitzen.

„Am nächsten Tag explodierte mein E-Mail-Postfach“, erzählt Ploß. Aber nicht nur das: Mehr als eintausend Gratulanten meldeten sich per Telefon, SMS und Whatsapp. Den ganzen Tag war Ploß damit beschäftig, Telefonate zu führen und Nachrichten zu beantworten. „Natürlich wollte ich mich außerdem möglichst schnell bei allen bedanken, die mich am Wahlkampf unterstützt haben.“

Doch in den darauffolgenden Wochen sollte es für Ploß nicht weniger zu tun geben: „Ein Bundestagsbüro aufzubauen, ist wie einen mittelständischen Betrieb zu gründen“, sagt er. Und für jeden neuen Abgeordneten ergeben sich viele kleine und große Fallen auf dem Weg zum eigenen Büro.

Das beginnt schon bei den Fragen nach Personal, Räumen und eigener Infrastruktur. Ploß hatte sich bereits relativ früh dazu entschlossen, einen Mitarbeiter seines Vorgängers Dirk Fischer zu übernehmen. Dominik Hellriegel hatte bereits mehrere Jahre im Bundestag gearbeitet. Trotzdem waren auch für ihn die folgenden Wochen eine Herausforderung: Parallel zum neuen Büro das für den Abgeordneten Ploß aufgebaut werden musste, wurde das seines Vorgängers Dirk Fischer abgewickelt. Während also nach und nach das alte Büro um ihn herum verschwand, saß Hellriegel mit einem Notebook der Bundestagsverwaltung am Schreibtisch und versuchte alles Nötige in die Wege zu leiten.

Dieses Notebook sollte der Dreh- und Angelpunkt für die Aktivitäten der kommenden Wochen werden, denn bis in den November hinein sollte es das einzige Gerät sein, mit dem man aus dem Bundestag arbeiten konnte. Vor allem als zum ersten November mit Marianna Voigt im Bundestagsbüro eine weitere Mitarbeiterin hinzukam, wurde die IT zum Nadelöhr. „Im Bundestag braucht man für alles ein Formular“, sagt Hellriegel. „Räumen, Computer, Telefonanschlüsse, Drucker, Faxgeräte: Alles muss beantragt werden.“ Und zum Beantragen brauchte man das Notebook.

Für Ploß war relativ schnell klar, dass sein Büro (ihm stehen drei Räume für sich und die Mitarbeiter zu) „Unter den Linden 71“ liegen würde, schräg gegenüber des Brandenburger Tores. Es dauerte aber noch bis er seine endgültigen Büros auf dem vierten Stock beziehen konnte. Denn bis zur konstituierenden Sitzung war formell noch das alte Parlament intakt und die Büros waren noch vergeben.

So kam es, dass Christoph Ploß am 24. Oktober zum ersten Mal im Plenum des Deutschen Bundestages saß und seine neuen Mitarbeiter die konstituierende Sitzung aus ihren alten Büros verfolgten. An diesem Tag wurde er offiziell zum Abgeordneten des Deutschen Bundestages und konnte sein Büro beziehen – in dem zu diesem Zeitpunkt genau ein Schreibtisch stand, an dem er und seine Mitarbeiter arbeiten konnten. Im Laufe der folgenden Wochen wurden die Büros gestrichen, der Teppich gereinigt. Erst nach und nach kam die Einrichtung: Tische, Roll-Container, Telefone, Faxgeräte und Kopierer, vor allem aber die dringen benötigten Schränke und Ablagen.

Denn obwohl Ploß sein Büro möglichst papierfrei halten und wichtige Dokumente digital ablegen möchte, mussten er und seine Mitarbeiter sich in den ersten Monaten durch eine wahre Papierflut kämpfen. Waschkörbeweise kam die Post an: Verbände und Vereinigungen begannen ihre Arbeit und schickten Einladungen zu Gesprächen und Abendveranstaltungen, Glückwunschkarten und Magazine, um über ihre Arbeit zu informieren. Der Chef hat in den ersten Wochen hier immer wieder selbst am Tisch gesessen und sich um die Post gekümmert. „Ich habe schon für einige Abgeordnete gearbeitet, aber die Post geöffnet und sortiert hat vorher noch keiner selbst“, sagt Marianna Voigt. Wenn in den kommenden Monaten die Ausschüsse gebildet werden, wird Ploß auch dafür keine Zeit mehr haben, da sind Sie und Hellriegel sich sicher. Dann wird er sich vollkommen auf das verlassen müssen, was seine Mitarbeiter ihm vorlegen.

In Abrechnungsfragen verlässt er sich schon heute ganz und gar auf Marianna Voigt. Denn da gibt es einen waren Dschungel an Sachleistungskosten und Kostenpauschalen, mit denen er Reisen finanzieren, seine Mitarbeiter bezahlen und Bürobedarf anschaffen kann. Alles natürlich sehr wichtig, wie er sagt, aber für ihn mit seiner begrenzten Zeit leider nicht zu durchblicken.

Lieber ist er im Wahlkreis unterwegs. Denn auch hier gibt es natürlich viel zu tun. Ein Wahlkreisbüro muss eingerichtet und Mitarbeiter angestellt werden. Denn Ploß möchte und muss im Wahlkreis präsent sein. Denn auch wenn der Wahlkreis seit 2009 immer an die CDU ging: Die SPD ist nach wie vor stark und wenn die Bürger den Eindruck hätten, dass ihr Abgeordneter vor Ort nicht präsent ist, könnte sich das Blatt für Ploß schnell wenden. Deshalb ist er schon im Dezember wieder auf der Straße unterwegs, als wäre der Wahlkampf nicht vorbei: Er zieht wieder von Tür zu Tür und steht am CDU-Stand vor den Supermärkten. Jetzt aber nicht mehr als Kandidat, sondern als „Ihr direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Hamburg-Nord“.

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