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Das heißt, Du erwartest, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber diese Herausforderung alleine bewältigen, ohne das Geld der Arbeitsagentur?

Sarna: Ja. Auf jeden Fall. Das Geld von der Arbeitsagentur fällt ja nicht vom Himmel.

Simon: Ich freue mich über jedes Unternehmen, dass die Weiterbildung seiner Beschäftigten in den Fokus nimmt. Dass dieses Prinzip der Freiwilligkeit aber nicht funktioniert, sehen wir schon bei der Ausbildung: Im letzten Jahr haben 282.000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz bekommen. Da fehlt es an Plätzen, weil viele Unternehmen sich komplett aus der dualen Ausbildung rausziehen. Da habe ich wenig Vertrauen, dass Unternehmen von sich aus genügen in die Fortbildung ihrer Beschäftigten investieren.

Sarna, wenn wir über den attraktiven Arbeitsplatz sprechen, dann wünschen sich die meisten das sogenannten Normalarbeitsverhältnis. Haben befristete Arbeitsverhältnisse in einem Markt, auf dem händeringend nach Personal gesucht wird noch eine Zukunft?

Sarna: Momentan brummt die Wirtschaft, aber das ist ja nicht gottgegeben. Deswegen sind wir auch darüber besorgt, dass der Gesetzgeber immer mehr flexible Instrumente im Arbeitsrecht einschränkt. Die sachgrundlose Befristung zum Beispiel. Ohne dieses Instrument gäbe es die eine oder andere Stelle nicht. Die sachgrundlose Befristung trägt zum Wirtschaftswachstum bei und die Einschränkungen durch die Bundesregierung laufen konträr zu ihrem eigenen Ziel der Vollbeschäftigung. Was wir kritisieren, ist dass der Staat immer tiefer in die unternehmerische Freiheit eingreift. Bei Gehaltsverhandlungen mit Mitarbeitern oder der Klärung von Arbeitszeiten will er praktisch mit am Verhandlungstisch sitzen. Gleichzeitig soll der Unternehmer immer mehr Informationen an den Staat geben – die Berichtspflichten übersteigen das gesunde Maß heute bei Weitem. Was wir brauchen, ist weniger Bürokratie und einen weiten gesetzlichen Rahmen, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber beidseitig mit Leben befüllen können, individuell zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Arbeitnehmers.

Simon: Wir haben ja auch ohne die sachgrundlose Befristung alle Flexibilisierungsinstrumente die notwendig sind: Ich kann auch heute jemanden befristet einstellen, muss dann aber auch erklären warum: Vertretung eines anderen Arbeitsnehmers, Elternteilzeit, projektbezogene Arbeitsspitzen – das sind alles legitime Gründe. Aber es gehört zur Fairness auch dazu, dem Arbeitnehmer zu sagen, warum er befristet angestellt ist. Wenn es keinen Grund gibt, dann sollte unbefristete Arbeit das normale Anstellungsverhältnis sein. Da wir das Thema Digitalisierung genutzt, um eine Attacke auf die Rechte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu starten. Das lehnen wir entschieden ab.

Thema Bildung: Sarna, du hast schon die Forderung nach zusätzlichen Schulfächern erhoben. Brauchen wir neue Fächer oder mangelt es eher an grundsätzlichen Fähigkeiten und Vorstellungen darüber, wie man heute arbeitet?

Sarna: Wir finden die Themen Wirtschaft und Informatik zentral. Wir brauchen ein Schulfach Wirtschaft, um theoretisches und praktisches Wissen über wirtschaftliche Abläufe zu vermitteln. Ansonsten haben die wenigsten Kinder einen Zugang zum Unternehmertum. Des Weiteren sollen alle Schüler die Chance haben, in der Schule auch Programmieren zu lernen. Aber auch an Hochschulen wird immer noch an den Bedarfen vorbei ausgebildet. Die Inhalte im Studium müssen zielgerichtet auf die Bedarfe der Wirtschaft zugeschnitten werden. Wir brauchen eine viel engere Kooperation von Hochschulen und Unternehmen. Auch Handwerksberufe müssen für Schulabgänger wieder attraktiver werden. Man braucht kein Studium für einen attraktiven Arbeitsplatz. Wir müssen darauf achten, dass Berufe nicht mangels Bewerbern aussterben.

Simon: Wenn man nur nach den kurzfristigen Bedarfen der Wirtschaft ausbildet, dann wird es zu einem Fachkräftemangel kommen. Das können wir schon heute beobachten: Die Zahl der Ausbildungsplätze wurde in den letzten Jahren so stark heruntergefahren wie noch nie. Gleichzeitig sagen Unternehmen, sie fänden keine qualifizierten Fachkräfte. Das passt für mich nicht zusammen. Wenn wir es nur der Wirtschaft überlassen, dann fahren wir das Ausbildungssystem gegen die Wand.

Sarna: Das kann ich so nicht stehen lassen. Fakt ist, es gibt immer weniger Bewerber auf vorhandene Ausbildungsplätze. Die Ausbildungsquote in Familienunternehmen ist traditionell gut. Auch in diesem Jahr wollen fast 75 Prozent der Familienunternehmen genauso viele Ausbildungsplätze wie im letzten Jahr anbieten oder diese sogar erhöhen. Obwohl Familienunternehmen oft Weltmarktführer in ihrem Bereich sind, sind unsere Firmennamen nicht immer so bekannt wie die von ganz großen Unternehmen. Für junge Menschen liegt es daher nicht immer nahe, sich bei den Hidden Champions zu bewerben.

Simon: Du hast gerade speziell das Handwerk angesprochen, das massive Probleme hätte. Es gab eine Untersuchung, die die Vermittlungsbörsen der Industrie- und Handelskammern ausgewertet hat. Dabei kam heraus, dass die meisten Ausbildungsplätze für Hauptschülerinnen und Hauptschüler nicht mehr offenstehen.

Aber es gibt ja einen Unterschied zwischen IHK und Handwerk…

Simon: Das sieht im Handwerk nicht viel anders aus. Da wird eine Mauer aufgebaut für Hauptschülerinnen und Hauptschüler, die dann keinen Ausbildungsplatz mehr finden und da braucht es mehr Engagement der Unternehmen. Bei Fächern und Lehrplänen bin ich vorsichtig. Ich finde es gut, wenn geguckt wird, ob die Informatik in den Unterricht eingebaut wird, ich finde es gut, wenn es weiterhin Wahlfreiheit für die Schülerinnen und Schüler gibt, dass sie sich nach ihren Stärken orientieren. Das Fach Wirtschaft finden wir eher schwierig, weil es einen gesamtheitlichen Blick braucht. Und da gibt es bereits Fächer, wie beispielsweise Gemeinschaftskunde oder Sozialkunde, wo Wirtschaft nicht isoliert betrachtet wird, sondern im politischen und gesellschaftlichen Kontext.

Sarna: Das reicht eben nicht. Unternehmer und ihre wichtige Rolle in der Wirtschaft kommen in der Schule so gut wie nicht vor. Das ist aus meiner Sicht ein Manko, das behoben werden muss, wenn wir den Gründergeist in Deutschland stärken wollen. Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit hängen entscheidend von Menschen mit innovativen Ideen und Mut zum eigenen Risiko ab. Bereits in den Schulen sollte die junge Generation für das Unternehmertum motiviert werden.

Das Gespräch führte Florian Müller.

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