Wähle deinen Beitrag:     Euro  

Gerade einmal 33 Jahre alt, ist sie zu einer festen Größe der Union im Deutschen Bundestag geworden: Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende bearbeitet Nadine Schön die Themen Familie, Frauen, Senioren und Jugend sowie die Digitale Agenda. Im Interview mit der ENTSCHEIDUNG macht die junge Mutter klar, worauf es jungen Menschen vor der Familiengründung ankommt, wo sie Deutschland bei der Familienförderung sieht und worin sich die familienpolitischen Ansätze von SPD und Union unterscheiden. Für die JUlerin aus dem Saarland steht fest: „Selbstverständlich spielt das Thema Familie im Bundestagswahlkampf eine große Rolle.“

ENTSCHEIDUNG: Frau Schön, die Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Geburtenrate in Deutschland wieder steigt – eine Entwicklung, die sich trotz oder aufgrund der aktuellen Familienpolitik vollzogen hat? Oder hat sie gar nichts damit zu tun?

Schön: Diese erfreuliche Entwicklung ist auch das Ergebnis der Familienpolitik der Union: Unter CDU-Familienministerinnen wurden das Elterngeld eingeführt und der massive Ausbau der Kinderbetreuungsplätze vollzogen. Außerdem war es die Initiative der Union, Arbeitgeber mit der „Allianz für die Familien“ mit in die Verantwortung zu nehmen und sich stärker auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen, die Kinder erziehen. Alle diese Maßnahmen haben die Rahmenbedingungen für Familien entscheidend verbessert. In dieser Legislaturperiode haben wir das ElterngeldPlus eingeführt, das die Elternzeit noch mal flexibler und partnerschaftlicher macht, und wir haben alle Familienleistungen vom Kindergeld und dem Kinderfreibetrag bis hin zum Alleinerziehendenfreibetrag erhöht. Zeit, Geld und Infrastruktur – das brauchen Familien und wenn der Staat sich darum kümmert, steigt auch die Geburtenrate. Bemessen kann man es freilich nicht.

ENTSCHEIDUNG: Experten führen den Anstieg darauf zurück, dass die Enkelgeneration der Babyboomer jetzt in das durchschnittliche „Gebäralter“ kommt. Wie kann man zu einer wirklichen Trendwende kommen?

Schön: Der Anstieg mag auch einen statistischen Effekt haben. Aber ob sich ein Paar für ein Kind entscheidet, hat immer auch ganz persönliche Gründe: Passt die Lebenssituation gerade? Wie sind die finanziellen Rahmenbedingungen? Gibt es eine gute Betreuungsmöglichkeit in der Nähe? Ermöglicht mir mein Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten? Wenn diese Fragen alle mit „Nein“ beantwortet werden müssten, würden sich sicherlich auch bei zahlreichen Paaren im „Gebäralter“ viele gegen Kinder entscheiden.

ENTSCHEIDUNG: Deutschland ist weltweit das Land mit der höchsten Quote an Frauen, die bewusst kinderlos bleiben. Zwei Gründe werden genannt: Die Sorge um die Karriere und die Verlässlichkeit der Partnerschaft. Ist der erste Grund nicht ein Weckruf an die deutsche Wirtschaft, familienfreundlicher zu sein?

Schön: Wir sind auch bei familienfreundlichen Arbeitsbedingungen einen großen Schritt weiter gekommen. Unternehmen haben erkannt, dass Familienfreundlichkeit ein Wirtschaftsfaktor ist. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen spielen im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte eine immer größere Rolle. Allerdings gibt es auch hier noch Luft nach oben. Zum Beispiel werden die Möglichkeiten der Digitalisierung noch zu wenig genutzt. Mobile Arbeitsplätze, die die Vereinbarkeit weiter erleichtern könnten, werden zu wenig angeboten. Die Präsenzkultur ist in deutschen Unternehmen leider immer noch vorherrschend. Und es fehlt an Toleranz für Männer, wenn sie flexibler oder weniger arbeiten wollen, um mehr Verantwortung in der Familie zu übernehmen. Daran müssen wir weiter arbeiten.

ENTSCHEIDUNG: Sie haben selbst als vollberufliche Politikerin ein Kind bekommen. Was war Ihre Erfahrung: Wo haben wir in Deutschland den größten Nachholbedarf in Sachen Familienförderung?

Schön: Familien müssen das Gefühl haben, in der Gesellschaft willkommen zu sein. Hier sind wir deutlich schlechter als viele andere Länder: In vielen Geschäften und Behörden fehlen Still- und Wickelräume. Selbst in großen Einkaufszentren gibt es meist keine Stillzimmer, in öffentlichen Toiletten oft keine Wickeltische. Familienschalter fehlen am Flughafen, Familienkassen in Supermärkten und Familienabteile in Zügen. Es gibt keine Eltern-Kind-Parkplätze in den Städten und zu wenig Spielecken und Kinderstühle in Restaurants. Familienfreundlichkeit ist nicht nur eine Aufgabe für den Staat und für die Wirtschaft. Jeder einzelne kann seinen Teil dazu beitragen, dass Deutschland familienfreundlicher wird. Wir sollten toleranter sein gegenüber Kindern und Familien! Und wir sollten uns über lachende und sich manchmal laut freuende, spielende Kinder freuen, statt sie als störend zu empfinden.

ENTSCHEIDUNG: Wo sind wir besonders gut in der Familienförderung?

Schön: In der finanziellen Unterstützung für Familien liegt Deutschland sehr weit vorne und auch in der Bereitstellung familienunterstützender Infrastruktur sind wir in den letzten Jahren einen großen Schritt vorangekommen. Neben den Kinderbetreuungsplätzen gehört dazu auch ein breit gefächertes Hilfeangebot, das über Erziehungsberatung, Haushaltskurse bis hin zu Sprachkursen für Familien reichen kann. Modellprojekte einer solchen Förderung von Eltern und Kindern aus einer Hand sind zum Beispiel die Mehrgenerationenhäuser, die der Bund finanziell unterstützt.

Teil II des Interviews findet Ihr hier.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Ihr Ansprechpartner

Liminski

Nathanael Liminski

Dein Kontakt zu Paul:
paul@junge-union.de
030 / 278 787 15

Dein Kontakt zur Bundesgeschäftsstelle:
ju@junge-union.de
030 / 278 787 0