Berlin. Die CDU wird an diesem Freitag 75 Jahre alt. Im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, auf welchen Feldern seine Partei künftig attraktiver werden muss – und was die CDU immer ausgezeichnet hat.

Herr Kuban, Sie sind 33 Jahre alt, die CDU ist 75. Was verbindet einen so jungen Mann mit einer so alten Partei?
KUBAN Haltung ist keine Frage des Alters. Es geht darum, wie man Politik machen will. Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt und keine Ideologie. Das ist in keiner Weise veraltet.

Ist die CDU denn zu altbacken geworden?
KUBAN Im Gegenteil. Die CDU ist so attraktiv wie nie zuvor. Wenn ich mir den Zuspruch der Wähler anschaue, zeigt das, dass wir aktuell vieles richtig machen.

Umfragen sind doch Momentaufnahmen. Und die Grünen sind bei Jüngeren beliebter als die CDU. Woran liegt das?
KUBAN Wir haben vielleicht zu lange den Themen Klimaschutz und Digitales zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Meine Generation will ihr Smartphone zweimal am Tag laden, in der warmen Wohnung Netflix gucken und nach ihrer Schulzeit oder später die Welt erkunden. Während andere das verbieten wollen, werden wir mit Innovationen die Energiewende schaffen und dafür sorgen, dass das erste CO2 freie Flugzeug aus Deutschland abfliegt. Das ist unser Plan.

Beim Klimaschutz war die Union eine Getriebene. Verpeilt ihre Partei zu oft den Zeitgeist?
KUBAN Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Eine Volkspartei muss sich immer wieder neu erfinden. Das dauert mitunter länger als in einer Klientelpartei. Wenn man dann aber handelt, hat das auch Hand und Fuß. Das zeigt sich beim Klima- und Konjunkturpaket.

Wo muss die CDU ganz konkret moderner werden?
KUBAN Für mich ist ganz entscheidend, dass wir attraktiver werden für Menschen, die einfach mitmachen und sich einbringen wollen. Wer eine Familie gegründet hat, im Ausland studiert oder auch nur dienstlich unterwegs ist, muss trotzdem in der Partei mitmachen können. Dafür braucht es neue digitale Möglichkeiten. Da sind wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer schon große Schritte vorangekommen, aber wir wollen noch mehr.

Die CDU ist in den letzten Jahren vor allem von Angela Merkel geprägt worden. Hat Merkel aus der Union nicht auch eine beliebige Partei gemacht?
KUBAN Die CDU war immer verantwortungsvoll, entschlossen und pragmatisch. Das gehört zu unseren Grundwerten. Angela Merkel hat das Land gut und sicher durch viele Krisen geführt, von der Banken- über die Migrations- bis zur Corona-Krise. Dafür beneidet uns die ganze Welt um diese Kanzlerin.

Gleichzeit ist aber rechts von der Union mit der AfD eine Partei entstanden, was immer verhindert werden sollte. Merkels historischer Fehler?
KUBAN Wir sehen doch, dass sich die AfD gerade im Streit mit den Rechtsextremen Höcke und Kalbitz selbst zerlegt. Sie ist nur noch eine Chaostruppe und das erkennen auch die Menschen in Deutschland. Unsere Aufgabe ist es, bürgerliche Wähler zurückzugewinnen und ihnen wieder eine Heimat zu geben, indem wir soziale und wirtschaftliche Sicherheit geben.

Wer soll denn der Weichensteller nach AKK und Angela Merkel sein?
KUBAN Im Herbst werden wir dazu als Junge Union unsere Mitglieder befragen. Als Vorsitzender werde ich mich dann an das Ergebnis halten.

Ist ihre Vorliebe für Friedrich Merz erkaltet?
KUBAN Auf dem letzten Deutschlandtag der Jungen Union haben auch Markus Söder, Armin Laschet und Jens Spahn viel Zuspruch bekommen. Also warten wir es ab.

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